WACHSENDES ANGEBOT

Erfahrung ist: wenn sich im Neuwagenmarkt etwas bewegt, folgt die Occasionsnachfrage unmittelbar. Also müsste auch der Bedarf an gebrauchten Elektrofahrzeugen steigen.

Tesla Model S: das mit Abstand meistverkaufte Elektroauto in der Schweiz, an den Supercharger-Stationen tanken Besitzer gratis.

Im abgelaufenen Jahr wurden 3833 neue Elektrofahrzeuge registriert. Der Weg zur Elektrifizierung ist also noch lang, aber die Nachfrage steigt. Allerdings wurde teilweise auch etwas nachgeholfen, was uns einige BMW-Händler bestätigt haben.

Dazu gab es im Dezember rund ein Dutzend Tageszulassungen, offenbar weil der Importeur den nicht mehr angebotenen Opel Ampera aus dem Inventar haben wollte. Und schliesslich muss man erwähnen, dass fast die Hälfte des Neuwagenvolumens zurzeit durch den Tesla S realisiert wird.

Vorführwagen

Trotzdem, es gibt bereits Angebote an gebrauchten Elektrischen. Dabei handelt es sich grösstenteils zwar um Vorführautos, aber diese sind im Preis ordentlich reduziert. Wegen den noch bestehenden Unsicherheiten bezüglich der Lebensdauer der Batterien würden wir sowieso ein neueres, wenig gefahrenes Gebrauchtfahrzeug avisieren. Aber der Reihe nach.

Bevor es zur Anschaffung kommt, muss sichergestellt sein, dass der Elektrische zu Hause und/oder am Arbeitsplatz aufgeladen werden kann, und zwar ohne sich Konflikte mit allfälligen Garagenachbarn einzuhandeln. Keinesfalls kaufen, bevor dies geregelt ist! Und bitte verlassen Sie sich nicht auf die Reichweitenangaben der Hersteller, zumindest dann nicht, wenn man gedenkt, das Auto auch an kalten Tagen aus der Garage zu fahren. Dies gilt zumindest für die Modelle ohne Range-Extender. Wenn man diesen schlicht als Reservekanister betrachtet, macht ein solcher Sinn. Wenn man häufig Treibstoff nachtankt, geht die Rechnung nicht auf: es bleibt dann bestenfalls das Image für den Gutmenschen, der drin sitzt.

Als Positivum ist zuvorderst die – bis heute – absolute Zuverlässigkeit und sind die niedrigen Unterhaltskosten zu gewichten. Ausrutscher sind bis dato keine bekannt geworden, und bei vorausschauendem Fahren (rekupperieren!) wird man mindestens doppelt so lange mit einer Bremsgarnitur fahren können, wie mit einem Verbrenner. Wenn freilich das durchgängig frappante Beschleunigungsvermögen ausgekostet wird, kann dies in die Reifen an der angetriebenen Achse gehen.

Stenogramme

Weil wir kaum je einen Tesla Roadster ausgeschrieben gesehen haben, lassen wir den aus, und starten mit dem früh gestarteten Trio Mitsubishi Mi-EV/Citroën C-Zero/Peugeot iOn. Viertürige Kleinwagen mit erstaunlich grossem Raumangebot, karg, aber unterhaltsam zu fahren, dank dem Heckantrieb auch im Winter. Auch geeignet für Familien mit zwei Heranwachsenden, sofern keine längeren Ausflüge geplant sind.

Noch mehr Stadt- bzw. Agglomerationsauto, ist der ebenfalls hinten angetriebene Smart electric drive, den es sogar als Cabrio gibt. Der ungekrönte Champ im Kreisel, was heutzutage etwas heissen will.

Treiben Sie die Stadttauglichkeit nicht auf die Spitze: in der Schweiz wird gebüsst, wenn das Autöchen auf einem Töffparkplatz steht.

Das 2011 futuristisch gezeichnete Duo Chevrolet Volt/Opel Ampera hat serienmässig einen Range-Extender und ist als Viersitzer mit ordentlich Kofferraum konzipiert. Es gehört zur Kategorie der Erwachsenen und fährt sich auch so. Wenig übersichtlich, dafür ferienreisetauglich. Eine Nummer kleiner ist der als Fünfsitzer abgenommene Nissan Leaf. Lassen Sie sich nicht von allzu günstigen Preisen verführen: den Japaner kann man auch ohne Batterien kaufen. Diese müssen dann geleast werden. Das sollte vor dem Kaufabschluss geklärt sein. Gutes, aber sehr unauffälliges Elektroauto. Ähnlich, aber nicht gleich ist der Zoe von Renault. Hier müssen die Batterien geleast werden. Kein Problem bei einem Halterwechsel, aber man sollte es beim ausgeschriebenen Preis berücksichtigen. Der grössere Renault Fluence mit «Rucksack» floppte in der Schweiz, während der ultraminimalistische Twizy auf gute Akzeptanz stiess. Ohne Seitenscheiben aus dem Zubehörregal nicht wintertauglich, in Nizza (F) das ultimative Funmobil. 1 + 1 Sitze, der hintere ist nur kurzstreckentauglich, Kofferraum ist auch kaum vorhanden (gilt als Kleinstauto und erscheint deshalb nicht in den PW-Zulassungen.).

Der BMW i3 wird fast ausschliesslich mit Range-Extender angeboten, welcher aber nur als Benzinkanister-Plazebo reicht. Einsames Image mit tollem Ambiente, weil kaum je ein i3 unter 55 000 Franken den Händler verlassen hat. Irgendwie eine Mogelpackung mit komplizierter Türmechanik und überhaupt sehr aufwändiger Bauweise. Der Erfolg hinkt den hochgesteckten Zielen hinterher; die Produktion wurde zeitweise gestoppt.

Vom sehr jungen Kia Soul gibt es noch keine Occasionen, aber die eine oder andere Demoversion steht zum Verkauf an. Vielleicht das momentan kompletteste Elektroauto zu einem irdischen Preis. Geräumig, flott, unkompliziert.

Tesla und Fisker

Vom fünf Meter langen Tesla S kommen jetzt tropfenweise Occasionen auf den Markt, weil die gut betuchte Käuferschaft zum S70/85/P85 D wechseln will. «Dual» steht für Antrieb auf beide Achsen. Es treffen langsam Erfahrungen ein, die dem Überflieger einige Probleme zuordnen, nicht zuletzt quietschende Karosserien und undichte Panoramadächer. Im Vergleich mit im gleichen Segment angesiedelten Verbrennern ist der Tesla S ein günstiges Auto, im Occasionenhandel attestiert man ihm einen niedrigen Wertverlust.

Bleibt noch der extravagante Fisker Karma, hinter dem in der Schweiz die Frey-Organisation steht, was eine verlässliche Ersatzteilbetreuung garantieren sollte. Die unübersichtliche und übergrosse Limousine wird bekanntlich nicht mehr gebaut, aber regelmässig von kleinen Ärgernissen und von starken Abschreibern begleitet.

Einige Importeure und Markenvertreter haben sich für die Elektromobilität stark gemacht; es wurden überproportional viele Stromer eingelöst; viele davon stehen jetzt mit grossem Einschlag zur Disposition. Für Occasionskäufer, welche von der Technologie überzeugt sind, ist jetzt ein guter Zeitpunkt einzusteigen.

Jürg Wick