ICH FAHRE TATSÄCHLICH GERN AUF SCHNEE

Der Super-G-Weltmeister von 2009 und fünffache Abfahrtssieger auf der Streif hat inzwischen die internationale Rennlizenz und eine Ausbildung zum Fahrinstruktor im Sack.

In Anbetracht dessen, dass es schon viele vor ihm getan haben erstaunt es wenig, dass sich auch Didier Cuche nach seinem Rücktritt 2012 zum Autorennsport hingezogen fühlt. Der Super-G-Weltmeister von 2009 und fünffache Abfahrtssieger auf der Streif hat inzwischen die internationale Rennlizenz und eine Ausbildung zum Fahrinstruktor im Sack. Als Markenbotschafter von Audi wird er von der «quattro-Truppe», die er quasi seit Jahren verkörpert, darum auch so oft wie möglich bei der Driving Experience eingesetzt. Cuche wurde von «Audi race experience» professionell ausgebildet. Nicht nur der Ex-Skistar, sondern alle Teilnehmer, durchlaufen dabei eine systematische Rennfahrerausbildung vom Lizenztraining bis zum ersten Renneinsatz. Dieser erste, grosse Renneinsatz freilich, der für Cuche im Rahmen des Finales zur Blancpain Endurance Series auf dem Nürburgring 2014 geplant war, verlief im Sand. Audi-Werkspilotin Rahel Frey, die mit DTM-Pilot Nico Müller zusammen mit Cuche damals das Team des Audi R8 LMS bildete, setzte ihr Arbeitsgerät ins Kiesbett, noch ehe der vierfache Abfahrts-Weltcupgesamtsieger eingreifen konnte. Dies, nachdem Frey sehr stark fuhr und sich von Startplatz 19 auf Rang 7 vorgekämpft hatte. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, könnte der erste Renneinsatz für Audi 2016 folgen.

Auf dem Weg nach Kitzbühl mit einem Audi SQ5. Ich bin seit vielen Jahren «quattro-Fahrer».
Auf dem Weg nach Kitzbühl mit einem Audi SQ5. Ich bin seit vielen Jahren «quattro-Fahrer».

Interview mit Didier Cuche:
Didier Cuche, Sie sind auf dem Weg nach Kitzbühel – mit welchem Auto?
Didier Cuche: Mit einem Audi SQ5. Ich bin seit vielen Jahren «quattro-Fahrer».
Worauf legen Sie Wert bei einem Auto?
Ich bin auch während der Weltcuprennen oft selber gefahren, darum war mir der Sitz immer besonders wichtig.
Fahren Sie als Ex-Skirennfahrer lieber auf Schnee als auf dem Trockenen?
Ich fahre tatsächlich gern auf Schnee – allein schon, weil mir die Landschaft in Weiss gehüllt sehr gefällt. Und mit unseren Autos müssen wir uns ja über das Steckenbleiben keine Gedanken machen. Meine Frau lacht jetzt zwar … wenn man die Grenze bewusst ausloten will, wird es ab 60 cm Schnee auf unpräpariertem Feldweg vielleicht irgendwann dann doch zu viel … (lacht).
Da half Ihnen in dem Moment Ihre Erfahrung als Instruktor für Fahrtrainings im Schnee auch nicht mehr weiter?
Nein. Aber grundsätzlich gefallen mir die Fahr- und Sicherheitstrainings mit Audi-Kunden sehr gut. Den Leuten zu zeigen, wie man instinktiv oft falsch reagiert, wenn das Auto ins Rutschen gerät respektive dann zu sehen, wie sie es nach dem Training richtig machen, macht mir und auch den Teilnehmern Spass.
Sie wurden von Audi «race experience» professionell auf einem R8 ausgebildet und haben inzwischen die internationale Rennlizenz. Wie war das damals?
Ich habe mich schon als Kind für Autorennen interessiert und sie oft am TV angeschaut. Von da her habe ich das, was viele Männer haben, wenn der Motor wie ein Raubtier heult und Emotionen entfacht, auch im Blut. Während der zweitägigen Ausbildung auf dem R8 hatte ich ein Dauer-Smilen auf dem Gesicht. Die Spannung und der Adrenalinkick waren einzigartig.

Den Leuten zu zeigen, wie man instinktiv oft falsch reagiert, wenn das Auto ins Rutschen gerät respektive dann zu sehen, wie sie es nach dem Training richtig machen, macht mir und auch den Teilnehmern Spass.
Den Leuten zu zeigen, wie man instinktiv oft falsch reagiert, wenn das Auto ins Rutschen gerät respektive dann zu sehen, wie sie es nach dem Training richtig machen, macht mir und auch den Teilnehmern Spass.

Haben ehemalige Abfahrer als angehende Autorennfahrer Vorteile?
Davon bin ich überzeugt. Abgesehen davon, dass man sich das Tempo und den Adrenalinschub gewohnt ist, gibt es auch viele Parallelen punkto Linienwahl, Fahren in eine Kurve, Bremspunkte, Beschleunigung …
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen dem Skirennsport und dem Motorsport?
Primär im Rennen. Man ist nicht allein auf der Strecke und muss lernen, zu «ellbögeln». Das ist zum Teil krass. Bis heute hatte ich auf der Rennstrecke noch keine Berührung mit einem Konkurrenten – ich bin da viel zu höflich und nett, auch zum Material – ich will ja nichts kaputt machen. Den Start zu einem Autorennen, umzingelt von 20 oder 25 anderen Autos, habe ich als gewaltigen Adrenalinschub empfunden.
Vergleichbar mit dem Start zu einem Abfahrtsrennen?
Vielleicht mit dem allerersten Start zum allerersten Rennen in Kitzbühel.
Wie schätzen Sie sich als Autorennfahrer, Sie gelten als Talent, ein?
Wie gesagt, ich bin mir bewusst, dass ich mit einem sehr teurem Gerät unterwegs bin und ich will das ja nicht verschrotten, darum gehe ich vorsichtiger ans Werk. Im Verlauf der Ausbildung konnte ich meine Rundenzeit auf dem Nürburgring aber immerhin allein nach einem intensiven Tag um drei Sekunden verbessern.
Ihr Renndebüt für Audi verlief 2014 buchstäblich im Sand – folgt es 2016?
Es wäre schön, wenn sich das mit der Endurance Serie und Rahel Frey und Nico Müller nochmals ergeben würde. Leider konnte ich aus terminlichen Gründen letztes Jahr nicht als Gastfahrer am Audi-tt-Cup mitmachen. Vielleicht klappt es dieses Jahr.
Wie viel Zeit haben Sie damals auf die Profis Frey und Müller pro Runde verloren?
Auf die Allerschnellsten waren das gut fünf Sekunden. Wenn man jedoch so spät mit dem Motorsport beginnt, ist das vergleichbar, als ob man erst mit 20 seine Ski-Karriere startet – an die Spitze reicht es nie mehr.
Wie intensiv treiben Sie ihre «Karriere» als Autorennfahrer voran oder gedenken, es noch zu tun?
Um Meistertitel und Siege, wie andere Abfahrer vor mir, werde ich, denke ich, nie mitfahren. Ich habe mir nach meinem Rücktritt beruflich diverse Partnerschaften aufgebaut und bin Engagements eingegangen. Allein von da her ist die Zeit nicht da, um noch zum grossen Autorennfahrer zu werden. Ich will auch nicht mehr so viel unterwegs sein.
Sie werden also kein zweiten Luc Alphand, der nach seiner Skirennfahrer-Karriere die Rallye Dakar gewann und neunmal in LeMans am Start war?
Nein. Luc Alphand war schon als Skirennfahrer parallel immer wieder im Motorsport aktiv und hatte von da her einen ganz andern Hintergrund als ich.

Ich habe mich schon als Kind für Autorennen interessiert und sie oft am TV angeschaut. Von da her habe ich das, was viele Männer haben, wenn der Motor wie ein Raubtier heult und Emotionen entfacht, auch im Blut.
Ich habe mich schon als Kind für Autorennen interessiert und sie oft am TV angeschaut. Von da her habe ich das, was viele Männer haben, wenn der Motor wie ein Raubtier heult und Emotionen entfacht, auch im Blut.

Wenn Sie von Audi in LeMans eine Startgelegenheit erhielten, würden Sie aber nicht Nein sagen?
Ich glaube, dass Audi in Le Mans andere Leute an den Start bringt als mich (lacht). In einem Promi-Team könnte ich es mir aber gut vorstellen, dabei zu sein.
Brauchen fünffache «Streif»-Sieger auch nach ihrer Ski-Karriere den täglichen Adrenalinkick, woher der dann auch immer kommen mag?
Ich bin seit meinem Rücktritt nie mehr auf einem Rennski gestanden und kann heute auch Kurzschwünge und das Tiefschnee-Fahren in Kanada, was ich schon zweimal getan habe, geniessen.
Aber das Rennfieber und das Wettkampf-Gen bringt man nie mehr ganz weg, oder?
Ich war letzthin zwei Tage mit dem Sohn meines Bruders beim Skifahren und da ging es schon wieder etwas forscher vorwärts. Aber für zu hohe Tempi bin ich nicht mehr trainiert und darum wäre das gefährlich. Der Reiz, ab und zu Gas zu geben, zum Beispiel in einem R8 auf der Rennstrecke, ist aber schon da und den habe ich im Blut.