DIREKTIMPORTDRUCK STEIGT, AUCH AUF KOSTEN DER LÖHNE

Im letzten Marktbericht Schweiz/FL (AR 10/2016) wurde berichtet, dass der Anteil der Direktimporte nach einem mehrmonatigen Durchhänger wieder steige. Auch der Druck auf die Löhne im Autogewerbe nimmt zu. Eine Momentaufnahme.

Überzählige Produktionen finden täglich den Weg in die Schweiz.

Einige Hersteller bleiben trotz wieder steigenden Zulassungszahlen in Europa ungebrochen «volumengeil», versuchen mit allen Mitteln, überzählige Produktionen in den Markt zu drücken. Parallel importierte Neuwagen kommen auf verschiedenste Weise in die Schweiz, direkt eingeführte Pw`s von Privatpersonen bleiben eher selten. Besonders krass sind Beispiele, wenn die ohne Zutun der offiziellen Importeure eingeführten Autos nicht von europäischen Markenvertretern, sondern ohne Umwege vom Werk in die Schweiz eingeführt werden, notabene die Partnerschaft mit dem wichtigsten Kunden (dem offiziellen Importeur nämlich) umgehend.

Beweise gefällig?

In der Bilderreihe sind fotografierte Beispiele von Fahrzeugidentifikationen, welche nach Moldawien, Serbien und Litauen hätten gehen sollen, aber auf wundersame Weise den Weg vom Werk in Italien oder Tschechien ohne Umweg in die Schweiz gefunden haben, vermutlich mit «Flottendiscounts» unterstützt, und so überirdische Rabatte erst möglich machend. Praktischerweise sind es Pakete, auf einen Camion mit Anhänger für acht Einheiten passend. Wir haben diverse Importeure um ihre Stellungnahmen befragt, die meisten blieben, offenbar aus Schiss vor der allmächtigen Weko (Wettbewerbskommission), vorsichtig, bzw. ohne Stellungnahme. Mit Ausnahme erstaunlicher Weise die meistens zurückhaltende und von Direktimporten nicht überproportional betroffene Ford Switzerland: „Wir raten davon ab, ausserhalb unseres Händler-Netzwerks einen neuen Ford zu kaufen. Modelle, die nicht für die Schweiz vorgesehen waren, können weniger umfassend ausgestattet sein und über Motorisierungen verfügen, die wir u.a. wegen dem CO2-Gesetz nicht mehr anbieten. Der Weiterverkauf eines solchen Fahrzeugs kann schwierig werden, allenfalls ist mit finanziellen Einbussen zu rechnen. Wir haben bei direktimportierten Autos wiederholt beobachtet, dass ein Teil der Werksgarantie bereits abgelaufen ist, weil das Fahrzeug im Ausland eingelöst wurde und dann herumstand. Wer sich Ärger ersparen will, geht zum Ford-Partner. Da gibt es drei Jahre Garantie sowie kulante Lösungen bei Problemen. Das muss dank marktgerechten Preisen und Prämien nicht teurer sein.“ Andere Importeure meldeten sich ähnlich, wollten aber nicht zitiert werden. Ford zählt gemäss dem amerikanischen Ethisphere-Institut zu den weltweit ethischsten Unternehmen 2016, da darf man sich klare Statements offenbar noch leisten.

Was bei den Direktimporten abgeht, ist demotivierend: Die Schweiz unter der Führung der Weko, findet in der globalisierten Welt offenbar keinen Weg, das nirgends festgeschriebene, aber fest verankerte Gesetz der multinationalen Konzerne umzuschreiben, wonach man das Geld dort abholen soll, wo es am ehesten verfügbar geblieben ist. Die grossen Unternehmen diktieren, dass reichere Länder wie die Schweiz die Neuwagenkunden in den ärmeren Ländern subventionieren sollen. Das Prinzip funktioniert auch in anderen Branchen – z.B. bei den Printmedien – aber beim eigenen Auto geht es tiefer ins Portemonnaie.

Abstruse Rabatte sind nur über Fehlinformationen möglich.
Abstruse Rabatte sind nur über Fehlinformationen möglich.

Wirtschaftsminister gefordert

Da wären längst nicht mehr die teflonbeschichteten Weko-Mitarbeiter gefordert, sondern das Wirtschaftsministerium. Zhv. Bundesrat und Wirtschaftsminister Schneider- Ammann: Wir sind ja wer; hinter den USA (320 Mio. Ew.), China (1,3 Mia. Ew.) der Türkei (82 Mio. Ew.) und Russland (142 Mio. Ew.) ist die Schweiz (8,3 Mio. Ew.) der grösste Abnehmer von Motorfahrzeugen aus der EU, noch vor Japan (127 Mio. Ew.), Südkorea, Kanada und Australien. Es ist auch bedenklich, wie unsere Politik die hiesige Automobilwirtschaft unter der Prämisse «Deregulierung» mit exklusiven Seco-Regelungen (Staatsekretariat für Wirtschaft) stranguliert. Konkurrenzfähige Löhne spielen da keine Rolle mehr. Hauptsache man kann über abstruse Regulierungen seinen eigenen Job rechtfertigen. Enver Hotscha (Albanien) machte und Angela Merkel (Deutschland) macht es vor; politische Fehler werden niemals zugeben: Irgendwann endet es dann halt fiaskesk.

Jürg Wick