SOGAR AUF DEM WC IST DER FAN LIVE DABEI

400 Millionen Dollar hat die «Modernisierung» der legendären Rennstrecke in Daytona (USA) gekostet. Unvorstellbar für unsereins aus dem Reich des Rundstreckenrennen-Verbots.

Der jährliche Nascar-Saisonauftakt, das Daytona 500, ist neben dem Indy 500 eine der weltweit grössten Sportveranstaltung hinsichtlich Zuschauervolumen.
Der jährliche Nascar-Saisonauftakt, das Daytona 500, ist neben dem Indy 500 eine der weltweit grössten Sportveranstaltung hinsichtlich Zuschauervolumen.

Es gibt keinen Stillstand im Motorsport. Stillstand bedeutet Rückschritt. Um sich für die Zukunft zu orientieren, braucht es Visionen. Und ich habe eine Vision: Ich möchte die perfekteste und grösste und einzigartigste Motorsportanlage der Welt bauen. Es soll ein Denkmal für den Motorsport werden, welches noch in 100 Jahren für Gesprächsstoff sorgen wird.» Mit diesen Worten stellte Bill France Sr. 1959 einer illustren Gruppe von Investoren seinen «Traum des Daytona Motor Speedway» vor, welcher schon kurze Zeit später Realität werden und sich neben Indianapolis bald als das amerikanische Motorsport-Mekka etablieren sollte. Der jährliche Nascar-Saisonauftakt, das Daytona 500, ist neben dem Indy 500 eine der weltweit grössten Sportveranstaltung hinsichtlich Zuschauervolumen. Doch in den letzten Jahren war es mehr als offensichtlich, dass die Kapazitäten des Daytona International Speedway ihr Limit erreicht hatten; zudem wurde die Anzahl der Fans immer grösser, welche eine spürbare Verbesserung der Infrastruktur forderten. «Im Motorsport sind die Fans ein sehr wichtiger Bestandteil. Wir nehmen ihre Meinungen und Äusserungen darum sehr ernst», sagte Daytona-Speedway-Direktor Joie Chitwood beim Spatenstich des Daytona-Rising- Projektes vor einigen Jahren.

«Daytona Racing ist die grösste finanzielle Investition der Besitzer- Familie France. Entstanden ist ein modernes Mekka für jeden Motorsport-Fan.
«Daytona Racing ist die grösste finanzielle Investition der Besitzer- Familie France. Entstanden ist ein modernes Mekka für jeden Motorsport-Fan.

400 Millionen US-Dollar investiert

«Daytona Rising» war die wohl grösste finanzielle Investition der France-Familie. Letztere ist nicht nur Besitzerin und Ausrichterin der Nascar-Serie, der populärsten US-Rennserie, sondern auch noch Besitzerin einer Vielzahl von Rennstrecken, darunter auch des Daytona Speedway. 400 Millionen US-Dollar liess sich der France-Familienclan die Renovierung der Zuschauerbereiche kosten, damit es die Fans bei den Rennen so angenehm wie möglich haben. Dazu gehören unzählige Restaurants, welche einem Luxushotel alle Ehre machen würden, grössere und bequemere Sitzplätze, von denen aus die Zuschauer kostenlosen Internetzugang haben, Monitore in fast allen Ecken und Winkeln (selbst auf den Toilettenanlagen), damit der Fan keine Rennaction verpasst, sowie Zugang zu den Tribünenbereichen mit Rolltreppen. Schliesslich kann man dem amerikanischen Zuschauer nicht zumuten, dass er Treppen steigt. Dazu gibt es auf allen Zugängen Souvenirläden.

Weitere Investitionen folgen

In Zukunft sollen sämtliche Rennstrecken, die sich im Besitz der France-Familie befinden, auf den neuen Daytona- Standard gebracht werden. Das nächste Projekt, das in Angriff genommen wird, soll angeblich 800 Millionen Dollar kosten: Der Bau eines Luxushotels, Luxusappartements und Shopping-Centers direkt gegenüber dem Haupteingang des Speedway – verbunden durch eine Fussgängerbrücke. Denn eines ist unbestritten: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist Shopping der Sport Nr. 1. Eingeweiht wurde der Daytona Rising dieses Jahr am Rolex-24h-Rennen. Dieses Rennen ist Kult im Langstreckensport.

1962 feierte die amerikanische Motorsport-Legende Dan Gurney den Debütsieg, danach trugen sich so illustre Piloten wie Pedro Rodriguez, Brian Redman, Mario Andretti, Jacky Ickx, Bob Wollek, A. J.Foyt, Al Unser, Bobby Rahal, Derek Bell ... in die Siegerlisten ein.
1962 feierte die amerikanische Motorsport-Legende Dan Gurney den Debütsieg, danach trugen sich so illustre Piloten wie Pedro Rodriguez, Brian Redman, Mario Andretti, Jacky Ickx, Bob Wollek, A. J.Foyt, Al Unser, Bobby Rahal, Derek Bell … in die Siegerlisten ein.

Vom Glanz verloren

Das Rolex-24h-Rennen in Daytona der Neuzeit hat etwas von seinem Glanz verloren. Um die Kosten auf einem normalen Level zu halten und auch Privatteams eine Siegerchance zu geben, sind die P1-Prototypen und Werksbeteiligungen wie Audi, Porsche und Toyota in der FIA-World-Endurance-Serie von der Teilnahme in der US-Imsa-Serie ausgeschlossen. Die P2-Kreationen von Ligier geben hier in der Imsa-Serie den Ton an und duellieren sich mit den Daytona-Prototypen (ebenfalls geschlossene Prototypen) um den Gesamtsieg. Einzigste Werksbeteiligung hier: der Mazda-P2- Prototyp. Im letzten Jahr mit einem Dieselmotor auf verlorenem Posten, hofft Mazda USA nun mit einem Benziner auf den langersehnten Erfolg. Allerdings ist es offensichtlich, dass das betagte Mazda-Lola-Chassis mit der Konkurrenz nicht mithalten kann. Die Fahrzeuge der Daytona-Prototyp-Kategorie absolvieren 2016 ihre letzte Saison. Ab 2017 sind nur noch P2-Renner zugelassen, die von Ligier, Oreca, Riley & Scott sowie von Dallara hergestellt werden. Heuer gewann mit dem Tequila-Patron-Team eigentlich das falsche Team das 24h-Rennen. Nach Sebring wird die Mannschaft um Scott Sharp in die World-Endurance- Serie wechseln. Unterhalb der P2- und Daytona-Prototypen ist die PC-Kategorie angesiedelt. PC steht für Prototype- Challenge und ist eine Einheitsklasse mit offenen Prototypen, welche von Oreca in Südfrankreich gebaut und von 5000-cm3-Chevy-Motoren angetrieben wird. Allerdings sind diese Fahrzeuge erheblich langsamer als die GT2- und GT3- Autos. In der GT-Le Mans/GT2- und GT- Daytona/GT3-Klasse findet der eigentliche Wettbewerb statt. In diesem Jahr kehrte eine Legende zurück: Die Ford Motor Company wird im weltweiten Langstreckensport den Ford GT einsetzen, welcher optisch an seinen berühmten Urahnen erinnert: Den Ford GT40, welcher Mitte der Sechzigerjahre mit A. J. Foyt und Dan Gurney in Le Mans siegreich war. Dieses Jahr konnte der Ford GT zumindest in Daytona noch nicht zeigen, was in ihm steckt; es gab noch zu viele Kinderkrankheiten.

Der Schweizer Uhrenhersteller Rolex hat die Marketingkooperation mit dem Daytona International Speedway übrigens jüngst verlängert, sodass die Fans weiterhin das amerikanische Pendant zu Le Mans geniessen können.

Nur etwa 10 cm trennten Hamlin und Truex bei diesem spannenden Endspurt

Wolfgang Monsehr