GENF IST DIE STAUHAUPTSTADT DER SCHWEIZ

Der TomTom-Verkehrsindex aus dem Jahre 2015 ist ausgewertet, in der Schweiz steht man am längsten in Genf, Zürich und Basel im Stau. Weltweit eine traurige Spitzenstellung nimmt Mexiko-Stadt ein.

Die Stauseite
für Zürich von TomTom. 29
% kann man durchschnittlich zu jeder Autoreisezeit in der Stadt nocheinmal dazurechnen – diese Zeit geht im Stau verloren. © zVg

Der niederländische Navigationsgerätehersteller TomTom veröffentlicht einmal jährlich seinen Verkehrsindex. Die Daten dazu holen sich die Niederländer aus 14 Billionen Datenpunkten, die bereits seit acht Jahren gesammelt werden.

Für 295 Städte in 38 verschiedenen Ländern werden die Daten anschliessend zum Verkehrsindex zusammengefasst. Oder anders gesagt: TomTom errechnet, in welcher urbanen Umgebung auf der Erde die Menschen am häufigsten und hartnäckigsten im Stau stehen.

Laut TomTom zeigt die Auswertung der historischen Daten, dass die globale Verkehrsbelastung seit 2008 um 13 % gestiegen ist. Doch die Verkehtröme auf den Kontinenten unterscheiden sich sehr stark voneinander. Während der Verkehr in Nordamerika um 17 % zugenommen hat, sind es in Europa nur 2 %. Die Experten bei TomTom vermuten, dass dies mit dem schwachen wirtschaftlichen Wachstum in Europa zusammenhängt, denn gerade in den südeuropäischnen Staaten wie Italien oder Spanien ist die Verkehrsbelastung in den letzten acht Jahren um 7 bzw. 13 % zurückgegangen.

Und wie schaut es für die Schweiz aus? Wie gesagt, es wurden nur die Staudaten für die grösseren urbanen Gegenden wie Zürich, Genf oder Basel erhoben. Staugeplagte Regionen wie bspw. die A1 zwischen Bern und Zürich werden in dem Index also nicht erfasst.

Die Schweizer Städte befinden sich im TomTom-Index im Mittelfeld. Genf «schafft» es auf Rang 38, Zürich auf Rang 56, Basel auf Rang 91 und Bern auf Rang 224. Alles o. k. also?

Nicht unbedingt. Denn in den «Top 30» sind im Prinzip nur grosse Millionenstädte enthalten: Moskau, Bangkok, Palermo, Los Angeles usw. Genf auf Rang 38 tummelt sich in der Region von ebenfalls (zumindest für schweizerische Verhältnisse) sehr grossen Städten: Brüssel, Vancouver, Changchun, Auckland, Ankara. Durchschnittlich haben alle diese Städte eine Bevölkerung von 2,67 Millionen Menschen. Dagegen Genf: 194 565 Einwohner! Man könnte sich also dementsprechend ausrechnen, was Genf für ein Stauproblem hätte, wenn es ebenfalls 2,6 Millionen Einwohner hätte …

TomTom hat die Zahlen für Genf entsprechend aufbereitet: Durchschnittlich muss ein Autofahrer in Genf zu seiner regulären Reisezeit (normales Tempo, kein Verkehr) weitere 33 % dazurechnen – dann erreicht er seinen Zielort rechtzeitig. Es sei denn, es herrscht gerade Rushhour (Abendverkehr). Dann steigt die zusätzliche Zeit, die aufgewendet werden muss, um durch den Stau zu kommen, auf 66 % an, im Morgenverkehr sind es 51 %.

Die zweifelhafte Ehre, Stau-Hauptstadt der Erde zu sein, gebührt laut dem TomTom-Index übrigens Mexiko-City (8,9 Millionen Einwohner, im Ballungsraum 20 Millionen Einwohner). Durchschnittlich kann man dort zur normalen Autofahrt noch einmal 59 % Stauzeit hinzurechnen, zur Rushhour 94 %.

In Zürich (auf «Rang 56» weltweit) kann der Durchschnittsautopendler zu jeder Fahrt 29 % Stauzeit hinzurechnen. Oder anders gesagt: Beträgt die Fahrzeit der Fahrtstrecke rund 30 Minuten, kann der Autofahrer mit mindestens 40 Minuten Fahrzeit rechnen, während der Rushhour gar mit 50 Minuten.