SCHNELLIGKEIT IN DEN GENEN PARKIERT

Es ist auf jeden Fall veblüffend: Vor drei Jahren noch am Lizenzkurs in Hockenheim steht der hochbegabte Rennfahrer Yves Meyer aus Wauwil vor seiner ersten Saison im Audi tt-Cup.

Yves Meyer bereitet sich im Audi tt-Cup in Obersdorf vor.

„Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich heute Profi-Rennfahrer werden möchte, dann hätte ich ihn wohl ausgelacht“, gibt Yves Meyer zu. Der 24-Jährige ist der Sohn von Hans Schori, dem Betreiber des Fahr- und Eventcenters in Seelisberg. Der 55-jährige Unternehmer und Schweizer Bergmeister auf dem berüchtigten Mitsubishi Evo RS namens «Bergmonster» von 2011 ist alles andere als der typische Motorsport-Vater. «Diesbezüglich ist er wirklich toll», lobt der Sohn. Sein Vater habe ihn nie gedrängt oder über Massen «angehalten», auch Motorsport zu betreiben. «Natürlich war ich viel mit ihm an den Rennstrecken unterwegs und habe später mitgeholfen, rumzuschrauben», erinnert sich Yves. Selber ins Lenkrad greifen mochte er indes nicht wirklich. So war der Innerschweizer auch nie in einer Kart- Meisterschaft unterwegs oder hätte den Sport sonst von der Pike auf reingezogen. Vielmehr verschrieb er sich sportlich dem Fussball. In der höchsten Junioren-Kategorie kickte er seinerzeit beim FC Schötz, ehe er später zum FC Ruswil in die 2. Liga inter wechselte.

Die fehlende «Erfahrung» wertet Yves Meyer indes nicht wirklich als Nachteil.
Die fehlende «Erfahrung» wertet Yves Meyer indes nicht wirklich als Nachteil.

Rein in den Familienbetrieb

Die «Transformation» hin zum Motorsportler begann 2013. Sein Vater fragte den gelernten Hochbauzeichner damals, ob er Lust hätte, bei ihm im Eventcenter in Seelisberg zu arbeiten. Der Filius stieg in den Familienbetrieb ein und ist da heute unter anderem für Marketing-Aktivitäten und als Instruktor tätig. «Mit 21 kam ich so immer intensiver in Berührung mit Autos und Motorsport», erinnert er sich. Bald darauf folgten bei Trackdays und dem ACS auf dem Hockeneimring die Basis-Ausbildung zur Erlangung der Rennlizenz und hierauf die ersten Rennen am Berg und auf der Slalom-Piste. Auf der Rennstrecke wurde dann schnell klar, dass dem Jungen mehr Talent in die Wiege gelegt wurde, als er es selbst je vermutet hätte – wie die eingangs zitierten Worte auch verdeutlichen. 2014 und 2015 gewann der Wauwiler effektiv Wau-mässig die European Time Attack Challenge – eine Serie für getunte Strassenfahrzeuge. 2015 tat er dies auf einem Nissan GT-R Nismo GT3. «Ich hatte so den direkten Vergleich mit Profi-Fahrern», sagt er. Und der junge Schweizer machte eine prima Falle. Beim Time Attack Masters auf dem Lausitzring fuhr er 0,045 Sekunden hinter dem Nissan GT-R Nismo GT3 von Schulze Motorsport ins Ziel. Jetzt stand für Vater Schori und seinen Sohn endgültig fest, dass da ein fördernswertes Talent da ist. Folglich machte man sich flugs auf die Suche nach einer geeignete Serie für die Saison 2016.

Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich heute Profi-Rennfahrer werden möchte, dann hätte ich ihn wohl ausgelacht»
Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich heute Profi-Rennfahrer werden möchte, dann hätte ich ihn wohl ausgelacht»

Einer von sechs

Fündig ist man beim Audi tt-Cup geworden. Freilich kann Mann und Frau bei dieser 2015 lancierten Nachwuchs-Serie nicht einfach antanzen und sich einschreiben. Es gibt für sechs, im Rahmen der DTM ausgetragenen Rennen jeweils 24 Startplätze. 20 für die selektionierten Nachwuchs-Pilotinnen und -Piloten und vier für wechselnde Gaststarter. Yves Meyer hat sich in einem «Wettstreit» unter 125 potenziellen Anwärterinnen und Anwärtern auf eines von in dem Sinn sechs «ausgeschriebenen» Cockpits durchgesetzt. «Es freut mich sehr und macht auch stolz, dass es geklappt hat», sagt der Innerschweizer. «Die Serie ist sehr professionell aufgezogen und möglicherweise ein gutes Sprungbrett für den weiteren Karriere-Verlauf.» Primäres Ziel für ihn ist es freilich, in dieser Saison «zu sehen, wo ich stehe und das Beste rauszuholen.» Obwohl es sich um eine Nachwuchs-Serie handelt ist die Konkurrenz stark. Da sind, im Gegensatz zu Meyer, Leute am Start, die schon Kart-Titel rudelweise sammelten und seit Jahren im Motorsport unterwegs sind.

Nach- und Vorteil

Die fehlende «Erfahrung» wertet Yves Meyer indes nicht wirklich als Nachteil. Dass er hinsichtlich seiner Karriere derart rasend unterwegs ist, führt er nämlich auch sehr darauf zurück, dass er eben nicht «gepusht» wurde. So hat er vielleicht mehr aufgesaugt von dem, was trotzdem da war, als es den Anschein erweckte. «Fehler sind für ihn darum auch in Ordnung», sagt Meyer. Und wenn man etwas «reifer» sei wie er, könne man vielleicht auch mehr und schneller was daraus lernen, als im Schulalter. Mit den Erfolgen und der Einsicht, dass er es im Rennsport eventuell noch weit bringen kann, ist die Lust auf mehr bei Meyer auf jeden Fall ständig am wachsen. Der tt-Cup startet Anfang Mai in Hockenheim. Anfang April stehen da bereits Tests an. «Dann werde ich mir ein Bild machen können, wo ich in etwa stehe.»

«Natürlich war ich viel mit meinem Vater an den Rennstrecken unterwegs und habe später mitgeholfen, rumzuschrauben», erinnert sich Yves.

Hunkeler der Coach

Jedem tt-Cup-Fahrer steht ein Betreuer zu. Wer nun denkt, es handle sich in Meyers Fall um dessen Vater, Hans Schori, der irrt. Gecoacht wird der einzige, echte Schweizer im tt-Cup-Feld 2016 von Franz Hunkeler. Der 61-Jährige ist auch Luzerner und fuhr früher Formel 3 und später vor allem Langstreckenrennen mit Porsche. Demzufolge kann Hunkeler seinem Schützling auch punkto Stabilisatoren und Reifendruck mit wertvollen Tipps dienen – den einzigen beiden Faktoren, die beim tt-Cup vom Team individuell eingestellt werden dürfen. Man darf also sehr gespannt darauf sein, was Yves Meyer in seinem dritten Jahr als Rennfahrer noch alles vom Zaun reisst.

Gecoacht wird der einzige, echte Schweizer im tt-Cup-Feld 2016 von Franz Hunkeler. Der 61-Jährige ist auch Luzerner und fuhr früher Formel 3 und später vor allem Langstreckenrennen mit Porsche.
Gecoacht wird der einzige, echte Schweizer im tt-Cup-Feld 2016 von Franz Hunkeler. Der 61-Jährige ist auch Luzerner und fuhr früher Formel 3 und später vor allem Langstreckenrennen mit Porsche.