DE SILVESTRO HOLT SICH ERSTMALS PUNKTE

Während sich Simona de Silvestro am Formel- E-Rennen in Long Beach (USA) über die ersten WM-Punkte freuen durfte, war Sébastien Buemi nach einem selbst verschuldeten Unfall sauer.

Zunächst sah beim Formel-E-WM- Lauf in Long Beach alles nach einem erneuten Durchmarsch des WM-Leaders Sébastien Buemi aus. Der 27-Jährige dominierte das Training, doch schon im anschliessenden Qualifying gab es Probleme. «Der zweite Gang hakte zunächst, was mich eineinhalbzehntel Sekunden kostete. Trotz meiner Bestzeit im zweiten Sektor hat es nicht mehr für die Super-Pole (in der die Top 5 die besten Startplätze ermitteln, d. Red.) gereicht.» Startplatz sieben, direkt vor seinem Renault-Teamkollegen Nicolas Prost, war trotzdem keine schlechte Ausgangsposition, wie Buemi befand: «Ich will nach vorne und werde attackieren», sagte der Langstrecken-Weltmeister von 2014, der offensichtlich nichts davon wissen wollte, auf Nummer sicher zu gehen. Kein Wunder, wenn man sich an den vierten Saisonlauf in Buenos Aires (Argentinien) erinnert, bei dem der Westschweizer vom Ende des Feldes bis nach vorne auf Platz zwei stürmte.

Ins Heck gedonnert

So einfach lief es für Buemi an der Pazifikküste indes nicht. Der Waadtländer kam diesmal nicht so schnell voran, wie er sich das vorgestellt hatte. Nachdem er Daniel Abt (Schaefler-Audi) mit einem Überraschungsmanöver vor einer Spitzkehre ausgetrickst hatte, sollte auch Robin Frijns (Andretti) auf diese Art und Weise überrumpelt werden. Die Aktion ging schief und dabei rauschte Buemi seinem Kontrahenten ins Heck. Der Holländer beklagte anschliessend einen beschäigten Heckflügel, bei Buemi war es der Frontflüel. «Ich habe einen Fehler gemacht und kann mich nur bei ihm, seinem Team und natürlich jedem bei Renault e.dams entschuldigen», sagte Buemi nach seinem ägerlichen Patzer. Zu allem Übefluss erhielt der WM-Leader von der Rennleitung wegen «einer vermeidbaren Kollision» eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt, durch die Buemi chancenlos auf den letzten Platz zurückfliegt. Obwohl der frühere Formel- 1-Fahrer von Toro Rosso noch zwei Zusatzpunkte für die schnellste Rennrunde einheimste, büsste Buemi seinen 22-Punkte-Vorsprung komplett ein und hat jetzt im WM-Zwischenklassement einen Zähler Rückstand auf Long-Beach-Sieger Lucas di Grassi (Abt-Audi).

Konto eröffnet

Deutlich besser lief es dagegen Simona de Silvestro, die schon nach dem Qualifying und Startplatz 12 ein gutes Gefühl hatte. «In dieser Position bin ich nicht zum ersten Mal und irgendwann muss es ja mal klappen», meinte die Wahl-Amerikanerin, für die ein Top-10-Platz und damit die Punkteränge das gewünschte Ergebnis waren. Im Gegensatz zu Buemi blieb de Silvestro cool und wartete auf die Fehler der Konkurrenz – eine, wie sich nach 41 Runden zeigen sollte, völlig richtige Entscheidung. «Natürlich bin ich happy mit Rang 9, denn das ist ein Schritt in die richtige Richtung», meinte die 27-Jährige, die selbstkritisch immer noch ein Manko im Qualifying sieht: «Daran muss ich arbeiten, denn mit einem besseren Startplatz ist auch ein noch besseres Ergebnis als P9 zu erreichen.» De Silvestro will zunächst in der FIA Formel e Fuss fassen und hat deshalb momentan keine anderen Pläne, wie sie versichert: «Wenn sich noch irgendetwas ergeben sollte, höre ich es mir an und dann sehen wir weiter.»

Video: Motosport ist ein Sport, welcher stark von Männer dominiert wird. Ein Interview, geführt von Nicki Shields, über Simona de Solvestro’s Karriere, kommenden Rennen und ihre Zukunft als Rennfahrerin.

Fast ein Doppelsieg

Dessen ungeachtet feierte das Abt-Audi- Team vor den Toren Hollywoods seinen bisher grössten Erfolg. Erstmals standen mit Lucas di Grassi und dem drittplatzierten Daniel Abt beide Abt-Fahrer auf dem Podest. Der Franzose Stéphane Sarrazin (Venturi) vereitelte auf Platz zwei den totalen Triumph des deutschen Teams. «Der Erfolg war genau die richtige Reaktion nach dem Rennen in Mexiko.» Zuletzt wurde der Sieger di Grassi wegen 1,8 kg Untergewicht nachträglich disqualifiziert. «Wir haben uns vor dem Wochenende im Team eingeschworen und wollten allen beweisen, dass der Sieg dort kein Zufallsreffer war», meinte di Grassi: «Wir sind Racer, gehen ans Limit und geben niemals auf. Jetzt beginnt die heisse Phase der Saison und wir sind motivierter denn je, in der Erfolgsspur zu bleiben.»

Jetzt gehts nach Paris

Long Beach war das letzte Überseerennen. Die Titelentscheidung fällt in Europa bei den Rennen in Paris (F, 23. 4.), Berlin (D, 21. 5.), Moskau (RUS, 4. 6.) oder London (GB 2./3. 7.). Buemi hat nur einen Punkt Rükstand auf di Grassi (100:101). In der Teamwertung liegt das Renault-Duo Buemi/Prost, das ebenfalls punktlos blieb, nur noch sechs Punkte (138:132) vor dem Audi-Schaefler-Team Abt/di Grassi. Für Spannung ist also gesorgt.

Video: Highlights des Formel E Rennen in Long Beach, USA.