EDITORIAL: MEHR VERTRAUEN IN DIE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

Von Ramon Egger, stellvertretender Chefredaktor

Bereits zehn Monate ist es her, dass Volkswagen mit dem Dieselgate erst in Amerika, schon bald aber auch in Europa riesigen Ärger gekriegt hat. Ein Ärger der vermutlich noch länger nicht ausgestanden ist für den Konzern. Und auch wenn die Meldungen aus dem öffentlichen Interesse gerückt sind, so bedeutet das noch lange nicht, dass die Geschichte zu Ende wäre. Noch immer gibt es täglich Neuigkeiten zu Strafzahlungen, zu Rückkäufen, zu den finanziellen Folgen für Volkswagen.

Jetzt hat die Welt wieder einen neuen Skandal in der Automobilbranche. Der erste Todesfall in einem autonom fahrenden Auto – einem Tesla Model S. Zwar liegt der tragische Unfall bereits zwei Monate zurück, doch publik geworden ist er erst jetzt. Klar, dass nun wieder Endzeitstimmung verbreitet wird. So wie 2015 verkündet wurde, dass es mit Dieselgate an der Zeit sei, den Dieselmotor zu begraben, hört man nun von allen Seiten, dass dieser Unfall das Ende für Teslas Autopiloten bedeute. Blöd nur, dass die Kunden das offenbar ganz anders sehen (Seite 8). Und zwar völlig zu Recht. Denn, auch wenn das System «Autopilot» heisst und auch wenn es verlockend ist, nebenher ein Fussballspiel zu schauen, so sollte doch klar sein, dass es noch viel zu früh dafür ist, dass wir uns hundertprozentig – blind – auf solche Systeme verlassen können.

Und sollte das autonome Fahren in naher oder ferner Zukunft zum Standard wird, so gibt es eigentlich keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen. Dem Lokführer vertrauen wir ebenso, dass er keine Rotlichter überfährt, wie dem Piloten, dass er keine Bruchlandung macht. Fehler passieren nun einmal, sowohl bei der menschlichen, wie auch bei der künstlichen Intelligenz, welche ja schlussendlich auch «nur» der menschlichen entsprungen ist. Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen. Umso wichtiger scheint es, dass anstelle von Verboten für autonome Systeme nun Standards und Normen treten, die eine gemeinsame, Hersteller-übergreifende Entwicklung der Systeme ermöglicht.

Wenn man bedenkt, wie lange es gedauert hat, bis man sich bei den Mobiltelefonen auf einen gemeinsamen Stecker für Ladegerät und Datenkabel geeinigt hat – und es auch heute noch einen Hersteller gibt, der sich nicht daran halten möchte, so sollten wir aber nicht allzu optimisitsch sein, dass gemeinsame Standards bald Realität werden.

Zu einem grossen Teil wird die Entwicklungen neuer Technologien nicht von den Herstellern selbst, sondern von den Zulieferern im Hintergrund vorangetrieben. Dieser, auch für die Schweiz wichtige Markt, wird in Zukunft wohl noch ziemlich aufgemischt werden, je mehr IT in den Fahrzeugen vorhanden ist (Seite 3). Von IT-Giganten wie Google und LG bis hin zu Start-ups wie Quanergy wollen alle ein Stück vom Kuchen, der bis anhin gemütlich zwischen bekannten Namen wie Bosch, Denso, Magna oder ZF aufgeteilt war. Ein bisschen Challenge kann der Branche sicher nicht schaden!


INHALT Nr. 28/2016

TITELTHEMA
Staus: Verkehrsüberlastungen gekonnt umfahren

AKTUELL
Brexit: Folgen für die Branche
Tesla: Eröffnung in Bern

TESTS UND FAHRBERICHTE
Porsche Macan GTS Test, Seat Ateca

NEUHEITEN
Aston Martin AM-RB 001, Opel Zafira, Citroën C3

MOTORRAD
Honda Africa Twin

SPORT
Formel 1 Silverstone, Thomas Amweg

RUBRIKEN
Agenda, Impressum, Leserbriefe

2016_28_Titelblatt_AR