BEFLÜGELTES DOPPEL

Der AM-RB 001 ist der radikalste Wagen, den Aston Martin je produziert hat. Die Traditionsmarke aus Gaydon (UK) tat sich zu dessen Realisierung mit Red Bull Racing zusammen.

Die Zielsetzung könnte klarer nicht sein: Aston Martin will beweisen, dass die Neubelebung der Marke nicht nur aus Worten besteht. Formel-1-Teamchef Christian Horner von Red Bull Racing fügt gar noch hinzu: «Wir wollen, dass Ron Dennis seinen Kaffee verschüttet». Der Fehdehandschuh ist geworfen. Der AM-RB 001 stellt auch die Geburt der Marke «Red Bull Racing» dar, die ihre Tätigkeiten auszuweiten und ihre Kompetenzen ausserhalb der Formel 1 anzuwenden gedenkt.

Drei Köpfe
Die Kerngruppe des Projekts besteht aus fünf Männern. Andy Palmer und Christian Horner, die Chefs von Aston Martin und von Red Bull übergaben die Verantwortung für den Supersportler an drei Akteure: den talentierten Konstrukteur Adrian Newey, Technikverantwortlicher von Red Bull Racing, dann Marek Reichman, Chefdesigner bei Aston Martin, und schliesslich David King, der für die Abteilung Rennsport und Sonderprojekte der englischen Marke verantwortlich zeichnet.
Sie geben das Dream Team ab, das zusammen mehr als 100 Jahre Automobilgeschichte  und technisches Knowhow bei einem der Formel-1-Spitzenteams repräsentiert. Die beiden Marken haben nun das Objekt ihrer Zusammenarbeit vorgestellt, den AM-RB 001. Der Name ist vorläufig nur eine Projektbezeichnung. Wir können davon ausgehen, dass die endgültige Modelldesignation der Aston-Martin-Tradition folgen und mit einem «V»-Wort gesegnet wird.

Leistungsgewicht 1:1 und V12 Sauger
Der AM-RB 001 baut auf einer Kohlefaserstruktur auf und scheint just von der Rennstrecke links abgebogen zu sein. Der Bolide wird tatsächlich mit Strassenzulassung realisiert und wird der erste Serienwagen sein, der dem allerheiligsten Rennprinzip des Bodeneffekts folgen wird, welcher sich im Rennsport schon seit Jahrzehnten durchgesetzt hat. Die Rennwagenfans können aber beruhigt sein: es wird auch eine reine Pistenversion des AM-RB 001 geben. Die Leistungsvorgaben sind nicht kompliziert: der Wagen soll einem LMP1-Prototypen der 24 Stunden von Le Mans entsprechen.
Aston Martin und Red Bull legen noch nicht alle Karten über ihren jungen Wilden auf den Tisch, aber sie geben doch an, dass er einen neuen, freisaugenden V12 erhalten soll, der mit einem Leistungsgewicht von 1:1 gesegnet sein wird, also mit einem PS pro kg. Das Gewichtsziel für das Triebwerk liegt bei 100 kg.
Das von Red Bull Advanced Technologies entwickelte Getriebe wurde von Adrian Newey angedacht. Das Design ist zu 99 % festgelegt. Die einzigen noch wahrscheinlichen Modifikationen betreffen die Auflagen der Homologation.

Made in Gaydon
Der Wagen wird von David King und seinem Team in der Aston Martin-Fabrik in Gaydon gebaut. Der Hypercar wird von der gleichen Produktionsstrasse rollen, die ursprünglich für den One-77 entwickelt wurde. Die Produktionszahl des Meisterstücks ist noch nicht definitiv festgelegt, sie sollte aber zwischen 99 und 150 Exemplaren liegen, alle mit Strassenzulassung. Die Rennversion wird 25 Mal gebaut. Der endgültige Preis sollte zwischen 2 und 3 Mio. britischen Pfund liegen. Aston Martin meldet, dass im Internet bereits 370 Kaufanträge von potentiellen Kunden registriert worden seien.
Interessenten müssen sich allerdings noch in Geduld fassen, bis der AM-RB 001 auf die Strasse gelangt. Die ersten Entwicklungs-Prototypen dürften 2017 ihre Fahrten antreten, der Produktionsstart ist für Anfang 2019 vorgesehen.

Jérôme Marchon/Olivier Derard