GRÜN WIE DIE HOFFNUNG AUF NOCH MEHR GUTES

Der Luzerner Unternehmer Rolf Ineichen fährt im Lamborghini Huracán des Grasser Racing Teams eine starke GT3-Saison. Der 11. Rang beim legendären 24-Stunden-Rennen von Spa hätte gut auch der 1. sein können.

Wenn man Dich ein Jahr mit Beethoven und Mozart in ein Haus einschliesst heisst das noch lange nicht, dass Du 365 Tage später als «Ode an die Freude» oder «Zauberflöte» wieder rauskommst. Oder anders gesagt: Mit Cracks ihres Fachs zusammenarbeiten zu dürfen, ist ein Privileg. Ein Vorrecht, weil man als Amateur ganz viel von solchen Meistern profitieren und lernen kann. Vorausgesetzt diese vertrauen einem ihr blendendes Wissen unzensuriert an. Freilich, auch das Gute gibts nicht gratis. Um zu profitieren, musst Du Wille, Ehrgeiz, Begabung, Freude und Leidenschaft mitbringen. Nur so kannst Du maximal «aufsaugen». Im Fall von Rolf Ineichen sind es nicht Mozart und Beethoven, die als «Coachs» fungieren, sondern primär der Deutsche Christian Engelhart und der in Österreich aufgewachsene Italiener Mirko Bortolotti. Zwei ausgezeichnete und verdammt schnelle GT-Rennfahrer. «Nach jedem Rennen liegen alle Daten, die ich inzwischen sehr gut lesen kann, offen vor und ich kann daraus lernen», sagt Ineichen. Daten bedeuten in dem Fall nicht Instrumentierung, Tonhöhen und -dauer; sehr wohl aber wann, wo wie viel Tempo totale Harmonie verspricht. «Alle  im Team sind bemüht, voneinander zu lernen und ihre Stärken weiterzugeben», sagt Ineichen. Für ihn als berufstätigen Amateur sei die Situation wunderbar. «Ich kann extrem profitieren.» Entsprechend fühlt sich das Geschäftsleitungsmitglied von «Ottos» auch sehr wohl im «familiären» Grasser Racing Team.

IMG_7672Das Highlight
Die prestigeträchtigen 24 Stunden von Spa sind das Highlight der Blancpain GT Series. Das Rennen in den belgischen Ardennen ist das wohl  bedeutungsvollste GT-Rennen der Welt überhaupt. Nirgendwo sonst ist die «Königsklasse der GT-Fahrzeuge» derart zahlreich und auf höchstem Niveau vertreten. Entsprechend steht das Rennen bei Fahrern, Teams und Herstellern auch äusserst hoch im Kurs. «Wenn mir Anfang Saison jemand gesagt hätte, dass wir in Spa vom zweiten Startplatz aus ins Rennen gehen und eine reelle Chance auf den Sieg haben, hätte ich tendenziell gedacht – tröim weiter…».
Nun, als Rolf Ineichen auf diese Saison hin Team und «Liga» wechselte und vom Porsche Cup in die GT3-Klasse zu den der seriennahen Supersportwagen «wechselte» hatte ihm selbst sein wichtigster Sponsor nicht wirklich zugetraut da gross Halleluja und Glanz und Gloria einzufahren. «Da wirst Du keine Stricke zerreissen», hatte er mir seinerzeit gesagt. Nun, das hat sich nach dem Sieg im ersten Rennen des ADAC GT Masters in Oschersleben im April unterdessen mächtig geändert. Damals sei besagter Sponsor zu ihm gekommen und habe zu ihm gesagt: «Das hätte ich Dir echt nicht zugetraut.» Anerkennende Worte, die wie Honig durch die Kehle rauschen. Derlei ist gesagt, dass Ineichens jüngste und erneut starke und schnelle Vorstellung in Spa Teil einer Kette glanzvoller Auftritte innerhalb der GT-Saison 2016 ist. Derart löblich, dass er von anderen Teams schon Anfragen erhalten hat, ob er 2017 nicht  das Fabrikat wechseln möchte… Achtung, die man sich verdienen muss. Nebst dem Sieg im ersten Rennen des ADAC GT Masters stand der 38-Jährige aus Sursee heuer auch auf dem Lausitzring als Zweiter auf dem Podest. «Dieser zweite Platz bedeutet mir fast noch mehr als er Sieg», sagt Ineichen. Allein deshalb, weil er, der Amateur es war, der das Auto im Qualifying auf den zweiten Rang stellte und es auf dieser Position im Rennen seinem Teamkollegen Engelhard übergab. In Oschersleben wars umgekehrt, obwohl Ineichen just damals in Sachsen-Anhalt von allerhöchster Stelle fettes Lob garnierte. Dies primär darum, weil er die hoch dekorierte, ihn jagende Konkurrenz souverän in Schach hielt. Ralf Schumacher als TV-Experte etwa sagte: «Da sieht man, dass auch ein Gentleman-Fahrer richtig gute Leistungen bringen kann. Dass er so dem Druck standhält und gewinnt ist toll.» Zu den glanzvollen Vorstellungen im Rahmen der ADAC GT Masters gesellt sich heuer auch noch ein dritter Rang im Rahmen der Blancpain GT Series in Silverstone.

3216 19 16Gesamtsieg ist möglich
Keine Frage, Rolf Ineichen ist am Volant begabt. Eine Gewandtheit, die sich derzeit, umgeben vom richtig giftgrünen Lamborghini, den richtig starken Co-Piloten und einem richtig guten und engagierten Team gänzlich zur vollen Pracht zu entfalten scheint. Ok – als Porsche-Cup-Fahrer war Ineichen vor 2016 auch schon einer der Schnellen und zählte als mehrfacher Gesamtsieger der B-Serie auf die Seite der Guten. Heuer jedoch zeigt der Geschäftsmann viel Entwicklungspotenzial und lässt seiner Klasse freien Lauf. Der Mann wird von Rennen zu Rennen schneller heisst es. Der Sieg in der ADAC GT Master in der Fahrer- und Teamwertung ist demzufolge nach wie vor möglich. Am kommenden Wochenende geht es auf dem Nürburgring bereits weiter. Auf einer Strecke, die Rolf Ineichen und seinen Mitstreitern liegen sollte. Andererseits ist der Lamborghini derzeit aufgrund der <Balance of Performance> «wie wir finden, nicht ideal eingestellt», meint Ineichen. Aber das würden wohl alle anderen bezogen auf ihr Auto auch denken. Auf jeden Fall: «Wir müssen gegenwärtig hart ans Limit, das war auch in Spa so, um ganz vorne mitzuhalten». Die  <Balance of Performance>, kurz BOP, ist eine Reglementierung, um unterschiedliche Antriebe und/oder Fahrzeuge innerhalb einer Serie auf einen gleichen, oder zumindest ähnlichen, Leistungslevel zu bringen und so den Wettbewerb hoch zu halten. Dies etwa via Gewicht oder Luftmengenbegrenzer. «Wir werden alles daran setzen, auf dem Nürburgring unsere Ausgangslage im Gesamtklassement des GT-Masters weiter zu verbessern.

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Timing hat nicht gepasst
Und wie ging das legendäre 24-Stunden Rennen in Spa denn nun für Rolf Ineichen, Mirko Bortolotti, und Jeroen Bleekemolen nach dem starken Qualifying nun aus…? «Leider fehlte uns das nötige Glück», sagt Ineichen. Ohne nennenswerte Zwischenfälle sei man zwar durchgekommen. Doch jedes Mal wenn es rund lief sei eine Gelbphase oder sonst etwas, bei dem das Timing nicht passte, dazwischen gekommen, und hat «uns wieder zurückgeworfen.» 2 der 24 Stunden lag der Lamborghini mit Ineichen, Bortolotti und Bleekemolen gar in Führung. Später pendelte er zwischen Rang vier und fünf. Kurz vor Schluss schliesslich sah es nach einem achten oder neunten Rang aus. Doch dann begann es plötzlich zu regnen. «In dem Moment fuhr unser Auto just an der Boxeneinfahrt vorbei», so Ineichen. Statt also prompt zum Reifenwechsel abzubiegen, mussten «wir so noch eine langsame Runde anhängen, die uns noch zwei, drei Ränge kostete.» So sei das durchs Band hinweg gelaufen. Schliesslich wurde es der 11. Rang, der indessen viel besser schmeckt, als es die Zahl auf den ersten Blick vermuten lässt. «Ich konnte den 1. August auf jeden Fall richtig geniessen», sagt Ineichen. Wer weiss, vielleicht feuert der Luzerner ja bereits am kommenden Wochenende auf dem Nürburgring beim nächsten Lauf des ADAC GT Masters sein nächstes, persönliches Feuerwerk ab.