EDITORIAL: KRAFT UND EHRE

Von Jérôme Marchon, Chefredaktor

In meinen Augen, denen eines Romands, erschien das Schwingen stets als ein zweitrangiger Sport, als ein Kampf, der sich auf Edelweiss-Hemden, Schwingerhosen und einen Sägemehlring zusammenfassen lässt. Boxen, Karate, Schwingen, alles das Gleiche. Einfach gesagt ist dies wohl eine schöne Illustration für die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschschweizern und Romands, der Röstigraben eben. Als der Kollege Michael Schenk dann bei einer Redaktionssitzung angeregt hatte, eine Geschichte zum Thema Automobil und dem Eidgenössischen Schwingfest zu realisieren, nahm ich den Vorschlag erst einmal mit Skepsis zur Kenntnis. Wo ist da der Zusammenhang? Nun, Sie finden diverse Zusammenhänge auf den Seiten 6 bis 9. Die Neugierde bei mir war auf jeden Fall geweckt, und auch ich habe mich mehr mit dem Thema auseinandergesetzt als bloss mit der Bedienung von Vorurteilen. Wenn die Schweiz ein Land mit lebendigen Traditionen ist, wo sich die kulturellen Eigenheiten zu früherer Zeit noch zwischen den Kantonen, Regionen und sogar Gemeinden unterschieden, so haben viele davon heute diese Grenzen überwunden und sind fest verankert in der Identität des Landes. Das Schwing- und Älplerfest gehört da mit Sicherheit auch dazu. Und die Begeisterung für diesen Anlass ist auf beiden Seiten der Saane ungebrochen. Alleine schon die Zahlen, welche das Ressort Verkehr im OK des Eidgenössischen Schwingfestes in Estavayer-le-Lac präsentiert, lassen fast schwindlig werden. 275 000 erwartete Besucher an zwei Tagen, 1000 freiwillige Helfer auf 105 Hektaren Parkraum für 55 000 Autos, 500 Cars usw. Und ein grosser Teil dieser kleinen Welt trifft sich am Samstagmorgen um halb acht zum gemeinsamen Singen der Nationalhymne in der Hauptarena mit 52 000 Plätzen – dem europaweit grössten Stadion, das bloss für ein Wochenende aufgebaut wird. Das Schwingfest selbst ist sozusagen ein eigenes Mobilitätskonzept! Und die Verantwortlichen sind zuversichtlich, dass alles ohne Beschwerden vonstatten gehen wird. Auch wenn es niemandem gelingen mag, die Deutschschweizer Begeisterung für das Schwingen restlos zu klären, so findet sich beim Wühlen im Sägemehl vielleicht doch der eine oder andere Grund. Über den sportlichen Anlass hinaus, ist das Schwingen auch von der mentalen Stärke geprägt. Unter dem Deckmantel der Folklore werden Grundsatzwerte wie Disziplin, Freundschaft und gegenseitiger Respekt gepflegt und gelebt. Sowohl von den Schwingern, wie auch vom Publikum. Und in der heutigen schnelllebigen Welt, in der es so manchem schwer fällt, sich noch zu orientieren, ist der Schwingsport doch gar nicht so anachronistisch. Als Wächter über die Helvetischen Traditionen erinnert er uns alle an die wichtigen Werte im Leben und in der Gemeinschaft. Unnötig zu sagen, dass Ignoranz die Basis von Inkompetenz ist.


INHALT
AR 33/2016

TITELTHEMA
Schwingen: Für viele Automarken sexy
TECHNIK
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NEUHEITEN
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SPORT
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RUBRIKEN
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