WASSERFALLEN-RÜCKZUG: WENDE ZUM GUTEN?

Als letzte und vielleicht entscheidende Entwicklung rund um den ACS gibt Christian Wasserfallen den Vorsitz des Verbandes preis. Thomas Hurter kann am 16. September in Langenthal zum neuen Präsidenten gewählt werden.

Christian Wasserfallen, FDP Bern. © www.parlament.ch

«Es reicht!» Diese Bemerkung liess FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen am vergangenen Samstag an einer Versammlung in Safenwil AG fallen und erklärte sich dann am nächsten Tag gegenüber der Sonntagspresse. Der Berner Politiker verkündete seinen Rückzug von der ACS-Spitze. Wasserfallen, der sich eventuell 2018 in den Regierungsrat des Kantons Bern wählen lassen möchte, war am 23. Juni bei einer Versammlung von ACS-Delegierten durch 13 der 19 ACS-Sektionen zum Präsidenten des Verbandes gewählt worden. Doch das Direktionskomitee, geleitet vom nach seinen Aussagen noch amtierenden Präsidenten Mathias Ammann sowie des amtierenden Direktors a.i., Michael Gehrken, hatte die Legitimität dieser Ernennung nie anerkannt. Für sie war das Treffen von Yverdon-les-Bains keine massgebliche Versammlung.
Der Einzug von Wasserfallen an die ACS-Spitze war von den Medien teilweise als ein Putschversuch von auf Macht spekulierenden und im Hintergrund agierenden Kräften eingeschätzt worden. Der Fall wurde im Laufe der Wochen mit Beschwerden, Beschuldigungen und Anzeigen gespickt. Die Sache erinnerte zunehmend an eine Seifenoper und erreichte bald einmal unterstes Niveau. Es ging um Vorwürfe wie Misswirtschaft, Fälschung, Anstiftung zu einer Straftat, Beleidigungen und Verleumdungen.

Die Lösung des Problems?
Der Weggang von Christian Wasserfallen, wie die endgültige Demission des Mitte Juni unter dem Vorwurf von Pflichtverletzungen des Arbeitsrechts freigestellten Generaldirektors Stefan Holenstein, er hatte diese am Samstag verkünden lassen, sind der Endpunkt eines Gladiatorenkampfs. Doch ironischerweise entstand viel mehr das Bild eines Hahnenkampfs. Dies alles war dem Image der Auto-Lobby in der Schweiz gewiss nicht zuträglich gewesen.
Auch wenn er aus dem Kampf mit dem Berner Nationalrat nun als Sieger hervorgeht, ist Mathias Ammann darauf bedacht, jetzt nicht zur Selbstzufriedenheit zu neigen: «Mit seinem Rücktritt hat Christian Wasserfallen die richtige Wahl getroffen. Er handelte im Interesse des Verbandes. Gleiches lässt sich von Stefan Holenstein sagen. Da nun diese beteiligten Kreise die Bühne verlassen haben, kann der Club nun im Prinzip einen Neuanfang machen und in einer ruhigeren Atmosphäre arbeiten.»
André von der Weid, Mitglied des Direktionskomitees, ist auf der gleichen Wellenlänge. In Anlehnung an Mathias Ammann wird seine Analyse aber von Vorsicht begleitet: «Die neuesten Nachrichten sind gewiss positiv für den ACS. Doch zugleich neige ich dazu zu präzisieren, dass es weniger die Person von Christian Wasserfallen war, welche die Ursache für die Intrige rund um den bernischen FDP-Politiker waren. Auch nach diesen Ereignissen bleibe ich vorsichtig, denn alles Weitere wird sich nun anlässlich der Delegiertenversammlung vom 16. September in Langenthal entscheiden.»
Die Zukunft des ACS, ist effektiv in aller Munde. Für Langenthal ist aber eines gewiss: Mathias Ammann wird kein neues Mandat suchen. Eine Entscheidung, die er bereits im Juni bekannt gemacht hatte. Er verhehlt nun nicht, dass das Direktionskomitee «zu 100 Prozent» die Kandidatur von Thomas Hurter um das Präsidentenamt unterstützt.

Nur Lob für Thomas Hurter
In einer neusten Pressemitteilung beschreibt der ACS den SVP-Nationalrat in glühenden Worten: Er sei seit Jahren ein aktives Mitglied des ACS Schaffhausen. Er kenne den Verband sehr gut und sei Mitglied der wichtigen nationalrätlichen Verkehrskommission. Zudem habe sich Hurter durch mehrere Vorstösse zugunsten des motorisierten Individualverkehrs profiliert. Darüber hinaus habe er bereits einen nationalen Verband als Präsident umsichtig geführt.
In dieser Zeitung (vgl. AR 32/2016) hatte Hurter, er ist Pilot und Offizier der Luftwaffe, bereits auf seine Erfahrung im Transportwesen sowie seine Kenntnisse in wichtigen Fragen der Verkehrspolitik hingewiesen. «Ich kämpfte bei Vorlagen wie dem Vignettenpreis oder der Strassenfinanzierung an vorderster Front mit.» Ob dieser Leistungsausweis die ACS-Delegierten in Langenthal überzeugen wird? Die Antwort gibt es am 16. September.