VERBRENNER PASSÉ?

Seit Diesel-Gate stehen die Verbrennungsmotoren unter Druck, und fast alle Hersteller forcieren den Elektroantrieb als künftige Antriebsform.

An der Mondiale de l’Automobile 2016 in Paris (F) scheint die Automobilbranche auf das Signal, welches u. a. durch den Abgasskandal der VW-Dieselmotoren ertönt ist, aber auch auf einen generellen Ruf nach Abgasreduktion speziell in den grossen Agglomerationen der Welt, reagiert zu haben: Ein beherrschendes Thema bei Daimler, Volkswagen, GM, Opel, BMW, Renault & Co. sind die Elektroautos.
Nach Tesla scheint nun (endlich) Schwung auch in die traditionelleren Autobauer zu kommen, sodass am Salon reichweitenstarke E-Concept-Cars funkeln. Opel bringt den Ampera-e, Volkswagen kündigt den I.D. («Idee») an, und auch BMW will künftig Elektromotoren nicht mehr bloss in seine i-Modelle einbauen.

Stirbt der thermochemische Motor aus?
Die Elektrifizierung der Mobilität ist überfällig, und das Verschleudern von flüchtigen Ressourcen für den Vortrieb gilt zunehmend als unzeitgemäss, und dies nicht nur aufgrund von Nachhaltigkeitsüberlegungen.
«Der Verkehektor hat in den letzten 20 Jahren nichts zum Umweltschutz beigetragen», meint Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser. Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass der Anteil des Strassenverkehrs an den produzierten Treibhausgasen in Deutschland seit 1990 im Gegensatz zur Indus­trie gestiegen ist. Dabei könnten die Autos schon heute deutlich effizienter sein, sagt Moser, etwa durch Leichtbau oder kleinere Motoren. Das Konzept des «Downsizing» setzt sich in der Branche zwar langsam durch. Nach wie vor sind aber spritdurstige, PS-starke und panzerschwere SUV der Verkaufsschlager schlechthin.

Wo den Hebel ansetzen?
«Die Verbrauchsoptimierung durch Leichtbau ist erstaunlich», sagt auch Peter Fuss, Autoexperte der Beratungsfirma Ey. Daneben spielten die Entwicklung von Getrieben und eine verfeinerte Stopp-Start-Automatik eine grosse Rolle. Hinzu kommen weitere Verbesserungen: Der Autozulieferer Bosch stellte jüngst eine Technologie zur Wassereinspritzung vor, mit der bis zu 13 % Treibstoff eingespart werden sollen.

Auch der Gesetzgeber ist in der Pflicht
Die EU-Kommission denkt schon jetzt über strengere Abgas-Messverfahren für Neufahrzeuge nach und peilt strengere Tests für Herbst 2017 an. Peter Fuss ist überzeugt: «Die nächste Zielmarke für CO2 wird in Richtung 50 Gramm gehen, um auch die E-Antriebe in den Flotten voranzutreiben.» Bis 2021 gilt für die Fahrzeugflotten der Hersteller in Europa der Grenzwert von 95 g/km.
Gemäss Continental stösst ab diesen Grenzwerten der Verbrennungsmotor an seine Grenzen. Nach 2020 werde sich die Verringerung des Spritverbrauchs bei Verbrennungsmotoren auf 1 % pro Jahr reduzieren. Elektromotoren, ob als Unterstützung oder in Reinform, werden eine wichtigere Rolle spielen. Bis 2030 werde jedes zweite Fahrzeug weltweit in irgendeiner Form elektrifiziert sein.

Es funktioniert nur rein elektrisch
Greenpeace-Experte Daniel Moser hält das für zu wenig, denn: «Alle synthetischen Treibstoffe müssen (ja) erzeugt werden.» Über die Herstellungskette von Treibstoffen gesehen sei die Gesamteffizienz sehr gering. Der nächste logische Schritt sei ein Aus für den Verbrennungsmotor. Nach der Berechnung des Greenpeace-Experten müsste 2025 der letzte Verbrennungsmotor in Deutschland zugelassen werden, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Verkehr verflüssigen
Um die Luft tatsächlich sauberer zu machen, so Daimlers Entwicklungsvorstand Thomas Weber, müsse der Verkehr in erster Linie flüssiger werden. «Das Schlimmste ist der stehende Verkehr.» Und hier werden Autonomisierung und Automatisierung der Mobilität eine zentrale Rolle spielen.