DAS ZAUBERWORT HEISST DIGITAL

Die News über eine Allianz von Autoherstellern und Konzernen der Telekommunikation verdeutlichen es: Die Automarken widmen sich zunehmend auch Aktivitäten abseits des Autos. Mit dieser «5G Automotive Association» signalisieren Audi, BMW und Daimler, dass sie quasi die Zeichen der Zeit erkannt haben. So wie sie dies 2015 beim Nokia-Kartenservice Here getan hatten. Nun heissen die Partner Ericsson, Huawei, Intel, Nokia und Qualcomm, neue dürften noch dazustossen.

Im Rahmen des eigens gegründeten Vereins mit dem Kürzel «5GAA» will man nicht nur neue Kommunikationslösungen implementieren, sondern es geht auch um die Stärkung des 5G-Standards sowie insbesondere um die Beschleunigung von dessen globaler Verfügbarkeit. Ziel ist es laut einer gemeinsamen Mitteilung, Funktionen wie das vernetzte automatisierte Fahren, ortsunabhängigen Zugang zu Diensten und intelligente Verkehrslösungen für die sogenannte «Smart City» zu unterstützen und so den gesellschaftlichen Anforderungen bei vernetzter Mobilität und Verkehicherheit zu begegnen.

Heft in die eigenen Hände genommen

Die Aktivitäten der drei Hersteller im Bereich 5G ist die Folge davon, dass für das vernetzte automatisierte Fahren sowie für intelligente Verkehrslösungen hohe Übertragungsraten von Daten unabdingbar sind. Diverse Autohersteller hatten grosse Telekommunikationsanbieter wie etwa Vodafone oder Telekom bereits früher aufgefordert, 5G-Internet für Mobilitätslösungen voranzutreiben.

Doch dieser Vorgang dauerte ihnen offenbar zu lange, man wurde selbst aktiv. In die Leitung der neuen 5G-Allianz ist Audi direkt eingebunden. So ist Audi-Ingenieur Christoph Voigt Vorsitzender des Beirats, Qualcomm-Mann Dino Fiore seinerseits leitet den 5GAA-Vorstand.

Unterschiedliche Gewichtung

Mit diesem gemeinsamen Vorgehen für schnelles Internet im Auto belegen die Autohersteller, dass bei ihnen das Thema Digitalisierung weit oben auf der Agenda steht. Doch wie eine letzte Woche veröffentlichte gemeinsame Studie der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors sowie des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Ludwigs-Maximilians-Universität München (D) ergab, gibt es offenbar Differenzen im Grad der Umsetzung.

So hatte die bei sechs europäischen Premium- und Volumenherstellern gemachte Umfrage ergeben, dass die Automobilbranche im Bereich der Kultur und Führung noch häufiger eher «analog» als «digital» ist. So gäbe es zwar wenige «Leader», welche über eine dezidierte und vor allem vielfältige Strategie für die digitale Transformation des Unternehmens verfügten und diese in allen Bereichen bereits verfolgten. Doch andere seien noch in der Phase der Konzeption («Follower») oder der Orientierung («Laggard»). Unterschiedlich seien auch strukturelle Herangehensweisen, so etwa beim Aufbau von eigenständigen Organisationseinheiten für Mobilitätsdienstleistungen.