OGIER KURVT IN RICHTUNG TITEL

Weltmeister Sébastien Ogier machte bei der Rallye Korsika einen grossen Schritt in Richtung vierten Titelgewinn.

„Super Seb“ Sébastien Ogier bescherte mit seinem Sieg an der Korsika-Rallye sich und damit auch seinem neuen Chef Sven Smeets einen perfekten Einstand. Mit nur zehn Wertungsprüfungen (WP) ist die «Tour de Corse» etwas Besonderes. Der Klassiker auf der Mittelmeer-insel Korsika, auch als «Rallye der 10 000 Kurven» bekannt, bestach auch heuer durch ein einzigartiges Format. Im Vergleich zum Vorjahr waren rund 70 Prozent der Route auf rauem, teils brüchigem Asphalt neu. Am dritten und letzten Rallye-Tag stand zudem die längste (53.78 km) und die kürzeste (10.42 km) WP auf dem Programm.

Frühe Vorentscheidung

Die Vorentscheidung war schon am ersten Tag gefallen, als Ogier nicht nur die eigenen Teamkollegen, sondern vor allem die Konkurrenz in Grund und Boden gefahren hatte. Nach vier WP betrug der Vor-sprung des Franzosen auf den zweitplatzierten Hyundai-Fahrer Thierry Neuville 44 Sekunden. Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen lagen in ihren VW Polo R WRC fast eine Minute zurück – zu viel, um Ogier noch einmal unter Druck zu setzen. Der WM-Spitzenreiter sorgte dabei für ein Novum: Erstmals seit dem Comeback der Wolfsburger zu Saisonbeginn 2013 markierte ein und derselbe VW-Pilot bei den ersten vier WP die Bestzeit. Dieses Kunststück war zuletzt Petter Solberg (Citroën)  am 17. Juni 2011 bei der Rallye Akropolis gelungen.

Ein Kinderspiel

Für Ogier war es anscheinend ein Kinder-spiel, den grossen Vorsprung sicher ins Ziel zu bringen. «Das ist perfekt gelungen. Wir wollten bei unserem Heimrallye unbedingt gewinnen», freute sich Ogier nach seinem 36. WM-Triumph (davon 29 in einem VW Polo R WRC) bei seiner 107. WM-Rallye. Damit bescherte der 32-Jährige seinem Arbeit-geber Volkswagen den insgesamt 40. WM-Erfolg seit 2013. Mit seinem vierten Saisonsieg hat Ogier sein Punktekonto auf 195 Zähler aufgestockt. Beim nächsten WM-Event, der Rallye Spanien (14.–16. Oktober), bei der das Volkswagen-Werksteam seinen insgesamt 50. WM-Lauf seit 2013 bestreitet, reicht der VW-Speerspitze bereits ein zweiter Platz zum vierten Titelgewinn in Folge – unabhängig von den Resultaten seiner einzig verbliebenen Rivalen.  Nur Ogiers Teamkollege Mikkelsen (127 Punkte), der in seiner 75. WM-Rallye als Dritter (Rückstand 70 Sekunden) zum -19. Mal auf das Siegerpodium fuhr, und der zweitplatzierte Hyundai-Pilot Neuville (112/0:46.4 zurück) können rein rechnerisch noch den Titel gewinnen. Bei den drei noch ausstehenden WM-Läufen in Spanien, Grossbritannien und Australien werden maximal noch 84 Punkte vergeben.

Neuville sehr zufrieden

Neuville war mit Platz zwei mehr als zufrieden. «Unser Hyundai New Generation i20 war schnell und zuverlässig. Ich bin sehr glücklich mit dem, was wir erreicht haben», freute sich der Belgier, der Hyundai im zehnten WM-Lauf die achte Podestplatzierung bescherte. Weniger zufrieden war man bei Citroën. Hinter Latvala belegte Craig Breen im besten DS3 WRC den fünften Rang. Sein Markenkollege Kris Meeke, der drei WP-Bestzeiten erzielte, strandete bei seiner Aufholjagd nach einem Reifen-schaden an einem Baum. Für Sven Smeets, der am 1. September 2016 die Leitung von VW Motorsport von Jost Capito übernommen hat, war es ein Jobstart nach Mass. «40 Siege für den Polo R WRC – das ist eine fantastische Bilanz unseres Teams. Einen besseren Einstand hätte ich mir nicht wünschen können», meinte der Belgier, der bereits seit 2012 für VW Motorsport in der Funktion, zuletzt des Sportlichen Leiters, tätig ist. Sein Vorgänger Capito suchte eine neue Herausforderung. Der 57-Jährige soll bei McLaren Racing Ltd. als neuer Ge-schäftsführer die Rennsportabteilung des britischen Unternehmens verstärken und somit direkten Einfluss auf die Motorsport-aktivitäten haben.

ARNO WESTER