SCHWEIZER HYMNE ERTÖNT ALS ERSTES

Der Schweizer Sébastien Buemi startet wie in der letzten Saison optimal in die Formel-E-Meisterschaft. Der Titelhalter gewinnt den Auftakt in Hongkong.

Hollywood hätte kein spannenderes Drehbuch für den Saison­auftakt der Formel E in Hongkong schreiben können. In einem spektakulären Rennen, das von Crashs, Kollisionen, vielen Zweikämpfen und einer Safety-Car-Phase geprägt war, setzte sich Titelverteidiger Sébastien Buemi (Team Renault e.dams) nach 45 Runden gegen seinen letztjährigen Widersacher Lucas di Grassi im ABT-Schaeffler-Audi durch.  Beide Fahrer profitierten in einem ereig­nisreichen Rennen von verschiedenen Umständen, die sie an die Spitze brachten. So hätte die Anfangsphase turbulenter kaum sein können. Direkt nach dem Start ereigneten sich gleich mehrere Kollisionen, in die unter anderen auch di Grassi verwickelt war, der sich daraufhin an der Box eine neue «Nase» montieren liess.

Vorzeitiger Wechsel
Wegen weiterer Unfälle schickte die Renn­leitung das Safety-Car auf die Strecke. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Buemi schon auf Platz zwei vorgearbeitet. Di Grassi, der vom Ende des Feldes eine beeindruckende Aufholjagd zeigte, wurde zudem vom ABT-Team zu einem vorzeitigen Fahrzeugwechsel an die Box geholt – eine riskante Strategie, die sich später als Volltreffer erweisen sollte. Weil Spitzenreiter Sam Bird (DS Virgin) sein zweites Auto nicht sofort starten konnte, übernahm Buemi vor di Grassi und Nick Heidfeld die Führung!
Die Schlussphase gehörte den ­beiden Andretti-Piloten Antonio Felix da  Costa (am Ende Fünfter) und Robin Frijns (Sechster). Das Duo kämpfte sich mit beherzten Überholmanövern nach vorn und holte wichtige Punkte für das von BMW unterstützte US-Team. An der Spitze passierte unterdessen nicht mehr viel, ausser dass Buemi und di Grassi massiv Energie sparen mussten. Sie retteten aber ihre Top-Positionen eins und zwei vor Heidfeld und Buemis Teamkollegen Nicolas Prost ins Ziel. «Was für ein toller Start in die Saison! Ich war das gesamte Rennen über am absoluten Limit. Am Ende versagte meine Rekuperation und die Batterie überhitzte – das Auto hätte wohl keine komplette Runde mehr überlebt», freute sich Buemi. Erzrivale di Grassi lobte sein ABT-Team für die geniale Taktik und betonte, wie sehr auch er mit der Engergie haushalten musste. Insgesamt feierte der Waadtländer Buemi seinen bereits siebten Sieg in der vor zwei Jahren ins Leben gerufene Formel E. Nächste Station in dieser Saison wird am 12. November Marrakesch sein. Die marokkanische Stadt wird auf dem afrikanischen Kontinent erste Gastgeberin der  Meister­schaft für elektrobetriebene Autos sein.

ARNO WESTER