OPELS NEUE WUNDERWAFFE

Die deutsche Marke steigt mit dem Astra wieder in die TCR ein. Und die neue Waffe brachte auf Anhieb gute Resultate.

Der Erfolg der 2015 initiierten Tourenwagen-Rennserie TCR (Touring Car Racing) lockt nun auch Opel in den Wettbewerb. Die Blitzmarke hat dafür den Astra TCR aufgebaut, der dieses Jahr endlich seine ersten Einsätze hinter sich gebracht hat. Die für Kunden-Teams vorgesehene Rennversion des Fünftürer-Mittelklässlers entspricht technisch natürlich den Vorgaben des Reglements. Wie die Hauptakteure in der Serie, Seat Leon, Honda Civic, Volkswagen Golf und Peugeot 308, tritt auch der Astra mit einem vom Serienmotor abgeleiteten 2-L-Turbo an.

250 km/h Spitze

Das Triebwerk leistet im Astra TCR 330 PS bei 6300/min und stellt zwischen 2500 und 4600/min 420 Nm zur Verfügung. Es gibt seine Kraft über ein sequenzielles 6-Gang-Getriebe mit Schaltpaddel am Lenkrad an die Vorderräder ab. Die Kupplung arbeitet mit zwei sinterbeschichteten Scheiben, und die Doppelkupplung sorgt für ruckfreie Gangwechsel. Das nur knapp 1200 kg leichte Renngerät verzögert selbstverständlich über eine höchstleistungsfähige Bremsanlage mit 378 mm grossen Scheiben und Sechskolbenzangen vorn und Zweikolbenzangen auf Scheiben mit 265 mm Durchmesser hinten. Der Fahrer kann die Bremskraftverteilung während der Fahrt modulieren. Das Reglement lässt übrigens elektronische Hilfen wie ABS oder ESP nicht zu. Opel gibt für den Astra TCR eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h an.

Obwohl bereits Ende 2015 in Belgien offiziell präsentiert, gab es wegen Entwicklungsproblemen Verzögerungen beim Einsatz des Rüsselsheimer Rennboliden. «Wir wollten ab Saisonanfang mit dabei sein, aber unsere Tests waren noch nicht abgeschlossen. Wir konnten einfach nicht genug Kilometer mit dem Wagen fahren und das hat unseren Terminplan vor allem für die TCR Deutschland in Verzug gebracht», gesteht Jörg Schrott, Motorsportdirektor von Opel.

Allen Widrigkeiten zum Trotz hat der Astra TCR dann aber schnell aufgeholt und sich 2016 schöne Erfolge gesichert. Der 40-jährige Belgier Pierre-Yves Corthals holte sich den Gesamtsieg in der TCR Trophy Europe mit ihren sieben Läufen. Zusammen mit Fred Caprasse des Teams DG Sport Opel Team Belgium kam dieser auch auf den guten zweiten Rang der ersten TCR-Benelux-Meisterschaft. Ein weiterer Paukenschlag war Anfang Oktober der prestigeträchtige Sieg der Zwillingsbrüder Heinz-Otto und Jürgen Fritzsche mit ihrem finnischen Teamkollegen Hannu Luostarinen in der Kategorie SP3T (bis 2 L Hubraum) bei der Langstrecken-Meisterschaft VLN auf der Nordschleife.

Geglückter Auftakt in der TCR Germany

Für die TCR-Serie in Deutschland stiessen die Rüsselsheimer erst im August beim fünften der sieben Läufe der Saison auf dem Nürburgring hinzu. Aber ihr Auftritt sorgte für viel Rummel, kamen doch der Spanier Jordi Oriola Vila und Pierre-Yves Corthals im ersten Lauf gleich auf die Plätze zwei und drei. Opel liess anschliessend Zandvoort ausfallen, setzte dann aber für das Finale in Hockenheim gar vier Autos ein mit Jordi Oriola Vila, Pierre- Yves Corthals, der Schweizerin Jasmina Preisig und dem 16-jährigen deutschen Jungtalent Mike Beckhusen. Pierre-Yves Corthals war wieder der Standartenträger für Opel und kam im ersten Lauf auf Rang vier. Im zweiten Lauf lag er sicher in den Podiumsrängen, als ihn ein Unfall zur Aufgabe zwang.

Der Belgier gibt sich mit seiner ersten Saison am Steuer des Astra TCR ausgesprochen zufrieden: «Alle Entwicklungsprobleme, die uns am Anfang der Saison zu schaffen gemacht hatten, wurden systematisch behoben. Dann konnten wir uns in den übrigen Monaten auf die Leistungssteigerung konzentrieren und ich glaube, wir haben da noch Potenzial», schwärmt der 40-Jährige. «Die Traktion und die Aerodynamik sind die grössten Stärken des Astra TCR. Ich sehe noch Handlungsbedarf beim Tempo in der Kurveneinfahrt, wo wir nicht ganz auf dem Niveau der Konkurrenz sind. Immerhin machen wir das mit einem höheren Tempo beim Herausbeschleunigen aus den Kurven wieder wett.»