NEUE KRÄFTE FÜR DAS KLASSIK-LAND

Oldtimer. Diesen Begriff verwendet man im deutschsprachigen Gebiet im allgemeinen Sinn für klassische Fahrzeuge. Dabei ist diese eingedeutschte englische Bezeichnung eigentlich nicht korrekt. Denn wer etwa in England von Oldtimern spricht, läuft Gefahr, missverstanden zu werden. So meinen die Briten mit diesem Wort primär ältere Menschen, «elderly people», denn bejahrte Autos. Für Letztere wäre dann der Begriff «classic car» – oder dann je nach gewünschter altersmässiger Eingrenzung «veteran car» oder «vintage car» – angebracht.
Diese kleine sprachliche Unkorrektheit ist gewiss keine grosse Sache. Denn selbst in England wird man zum Beispiel als inte­ressierter Käufer eines Oldtimers nicht an ein Altersheim verwiesen werden. Dann gibt es ja noch diese, je nach Standpunkt mehr oder weniger dramatische, Nähe der beiden Themen ältere Menschen und ältere Fahrzeuge. Okay, bevor ich mich jetzt in die Nesseln setze und eine Debatte über eine überalterte Klassik-Szene lostrete, möchte ich im Sinne einer vorauseilenden Beschwichtigung betonen, dass dies zum einen ein subjektiver Standpunkt ist, und dieser zum anderen nicht für sich beansprucht, ein repräsentatives Bild des effektiven Zustandes abzugeben.
Aber wer sich in der Klassik-Szene bewegt, der wird – und das wird wohl auch vor Jahrzehnten schon so gewesen sein – zwangsläufig mit der Problematik einer Überalterung der Szene konfrontiert werden. Klar, etwa an Auktionen oder insbesondere an bevorstehenden Events wie zum Beispiel dem Raid Suisse-Paris mit seiner «Young Raider Trophy» (für Teilnehmer bis und mit zurückgelegtem 35. Altersjahr) sieht man auch immer wieder junge Menschen. Übrigens diese Zeilen schreibt ein gerade noch «U-50er». Aber dennoch sind viele der Piloten jeweils sogenannt ältere Semester.
Und dass es etwas mit dieser Altersfrage auf sich hat, zeigte nicht zuletzt die Präsidentenkonfererenz 2016 des Schweizer Oldtimer-Dachverbandes (Swiss Historic Vehicle Federation SHVF). Dort hatte Präsident Lukas Oberholzer dieses Thema bewusst auf die Tagungsordnung gesetzt, um die anwesenden Club-Vertreter dafür zu sensibilisieren und um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Doch fairerweise sei gesagt, dass der Club-Gedanke heute sowieso eher antiquiert dasteht und sich viele Junge damit nicht anfreunden möchten. Das hat dann mit dem Thema Oldtimer wenig zu tun.
Doch eben auch zwei in dieser Nummer im Rahmen des Classics-Spezials publizierte Artikel behandeln diesen Themenkreis. So nahm er gerade am 50-Jahr-Jubiläum des Weltverbandes FIVA viel Raum ein. Und auch der ebenfalls in dieser AR abgedruckte Artikel über einen Schnupper-Kurs für den Mechatroniker-Nachwuchs an der  Berufsschule GIBB in Bern steht in diesem Kontext. Hüben wie drüben in der Szene – bei den Besitzern, wie auch bei jenen, die deren Autos warten – täte eine Blutauffrischung gut.


INHALT
AR 48/2016

TITELTHEMA
Mobilität: Die Kosten ent­gleisen
Preisüberwacher: Bewusstseinswandel, der optimistisch stimmt

MAGAZIN
Pininfarina: Wo das Auto zum Kunstobjekt erhoben wird

INTERVIEW
AMG-Boss: Tobias Moers

TESTS & FAHRBERICHTE
Kia Sportage: Test
Škoda Kodiaq: Fahrbericht

SPORT
Formel 1: Nico Rosberg – der Weltmeister und seine Seiten
Formel 1: Sauber beendet
WEC: Neel Jani wünscht sich weisse Weihnachten

RUBRIKEN
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CLASSIC
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Jubiläum bei Audi

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