EIN NEUER KLEINER IN DER FAMILIE FORD

Bei der Präsentation des neuen Fiesta in Köln (D) hat Ford die Familienbande beschworen und aufgezeigt, dass man für die Zukunft gewappnet ist. Nach 40 Jahren Bauzeit ist die nun 8. Auflage des Kleinwagens grösser, sicherer – und vor allem fortschrittlicher.

Beim Launch des neuen Fiesta in einer leer geräumten Produktionshalle des Ford-Werks in Köln-Niehl (D) wurden die rund 2500 geladenen Gäste nicht nur einfach Zeuge der Lancierung eines neuen Produkts, sondern die Marke setzte sich regelrecht selbst in Szene. Bei diesem Grossevent mit dem Motto «Go Further» – voranschreiten im Sinne von eine Idee weiter sein – sendete das versammelte Topmanagement rund um Mark Fields, den Präsidenten und CEO von Ford, gleich mehrere Botschaften an die (Auto-)Welt aus.
Die erste Aussage war, dass man sich bei Ford als Familie versteht. Diverse eingespielte Videos und anwesende Angestellte sollten den Eindruck vermitteln, dass die Autos von einem Familienbetrieb gebaut und vertrieben werden. Mit weltweit rund 203 000 Mitarbeitern/-innen, verteilt auf sechs Kontinente und 62 Werke, ist das wohl eher schwierig, doch nicht zuletzt mit einem an diesem Abend von den Protagonisten vielfach wiederholten «We are Ford» wurde dieser Eindruck untermauert.

Mitarbeiter als Herz der Ford Company
Klar, als Medienschaffender – unter den Gästen aus 33 Nationen waren nebst Händlern und weiteren Vertretern/-innen der Belegschaft auch ein paar Hundert Journalisten – sollte man immer kritisch bleiben. Dies vor allem, wenn, wie bei dieser rund 75-minütigen Show in Köln-Niehl, die Motoren röhren und bollern, als gäbe es kein morgen, die Bässe wummern und ein Star-DJ den Takt vorgibt sowie die Disco-Beleuchtung den Blick beeinträchtigt.
Doch an diesem Event sollten die Botschaften – wie später dann auch das Produkt – gut ankommen. In der aufwendigst inszenierten Show, sie wurde live via Internet in mindestens ein halbes Dutzend Sprachen übertragen, hatte es eben effektiv auch viel Raum für die wichtigste Komponente: den Menschen. So bezeichnete etwa James D. Farley, Jr. als Präsident von Ford Europa, Mittlerer Osten und Afrika, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als «das Herz und die Seele des Unternehmens».

Finanzen und Entwicklung gehen voran
Nun zur Frage, wie fit der «Familienbetrieb» für die Zukunft ist. Natürlich konnte dies weder in Köln stichhaltig beantwortet werden noch fehlt hier der Raum, dies darzulegen. Doch immerhin zeigten die am «Go Further»-Anlass vermittelten Informationen hierzu ein positives Bild. So stimmt offenbar – dies besagten jedenfalls die an diesem Abend präsentierten Zahlen – die Kasse: Nachdem die Ford Company laut den Angaben im Jahr 2015 alleine in Europa zuerst einen Gewinn von 259 Mio. Dollar erzielt hatte, peilte man für dieses Jahr ein Resultat von 600 Mio. Dollar an. Aber dieser Wert wurde laut «Jim» Farley schon nach einem halben Jahr übertroffen, und so wird für 2016 nun ein Gewinn von über 1 Mia. Dollar erwartet.
Doch für einen beruhigten Gang in die Zukunft braucht ein Autohersteller nicht nur Geld, sondern er muss bereits heute die Produkte von morgen entwickeln. Und das tut man – ja, der alte Werbespruch klingt hier an – bei Ford effektiv auch. So wird man zum Beispiel ab 2018 beim 1.0-Liter-EcoBoost-Motor das Prinzip der spritsparenden und weniger CO2 emittierenden Zylinderabschaltung anbieten – notabene bei einem verhältnismässig eh schon verbrauchsarmen Dreizylinder-Benziner. Dann unternimmt Ford grosse Anstrengungen im Bereich des autonomen Fahrens. Hier wurde angekündigt, dass man nach erfolgreichen Tests in den USA 2017 auch in Europa selbstständig fahrende Autos erproben will. In den USA ihrerseits will man ab 2021 für die Flotten von Mobilitätsdienstleistern (Ride Sharing) ein voll autonomes Auto anbieten, das dann weder Pedale noch ein Lenkrad haben soll.

 

 

Viel Neues von Jubilar und Bestseller
Nach Familiensinn und Zukunftsmusik war es dann Zeit für den grossen Auftritt der 8. Fiesta-Generation, die ab Sommer 2017 zu heute noch unbekannten Preisen in den Verkauf kommt. Vom Bestseller, in jetzt 40 Jahren Bauzeit wurden weltweit bislang fast 18 Mio. Einheiten verkauft, wurden im Kölner Scheinwerferlicht gleich vier Varianten präsentiert: der Titanium (darunter wird noch die Basisversion Trend rangieren), die erstmals angebotene edle Vignale-Version, der sportliche ST-Line sowie das ebenfalls neue Crossover-Derivat Active. Es ist anzunehmen, dass gerade der Active mit seiner grösseren Bodenfreiheit und einer Schutzbeplankung – er wird keinen Allradantrieb haben – in der Schweiz Anklang finden wird. Und auch der neue Fiesta wird wie gehabt in einer drei- oder fünftürigen Variante erhältlich sein. Gebaut wird das Auto weiterhin in Köln, dort laufen täglich rund 1700 Einheiten des aktuellen Fiesta vom Band.

Noch grösser und mehr Individualität
Diesen zuvor zitierten «Schritt nach vorn» machte man auch beim Fiesta, dem laut Ford in den letzten vier Jahren meistverkauften Kleinwagen (B-Segment) in Europa. So wurde die Karosserie um 7,1 cm länger, in der Breite legte der Fiesta um 1,2 cm zu, und der Radstand wuchs um 0,4 cm. Trotzdem ist diese Generation äusserlich mehr Evolution denn Revolution – auch wenn vor allem die Front den Neuen rasch verrät. Gegenüber der «Automobil Revue» erklärte Joel Piaskowski, Design-Direktor von Ford Europa, dass diese wegen des neu gestalteten oberen Kühlergrills sowie der entsprechend veränderten Proportionen «noch akzentuierter wirkt».
Unverkennbar sind die Varianten ST-Line für Liebhaber des Sports, sowie der edle Vignale. Joel Piaskowski: «Es war uns wichtig, den Charakter dieser Versionen auszudrücken.» Mit einer jeweils individuellen Ausgestaltung des Grills sowie der Form und der Anordnung der Nebelleuchten ist die Eigenständigkeit dieser Modelle deutlich. Und zum Profil meinte Joel Piaskowski: «Wir rückten die A-Säule leicht nach hinten, was nun den Vorderwagen gestreckter aussehen lässt. Dies verleiht dem Fiesta mehr Eleganz und generell einen Look, der einen Touch mehr Premium hat.»

Premieren für das Kleinwagensegment
Die Innovation des neuen Fiesta verbirgt sich aber vor allem unter dem Blechkleid. Denn er wird über eine Kombination an Assistenz- sowie Konnektivitäts-Funktionen verfügen, die es bislang im B-Segment noch nicht gab. Und ebenfalls hervorzuheben ist der hohe Grad an Möglichkeiten zur Individualisierung. Joe Bakaj, Vizepräsident für die Produktentwicklung bei Ford Europa: «Viele Kunden wollen heute die Annehmlichkeiten und die Technologie eines Oberklassefahrzeugs in einem Auto in der Grösse eines Kleinwagens haben.»
Der neue Fiesta lässt sich zum Beispiel mit zwei Kamera-, drei Radar- und zwölf Ultraschall-Modulen bestücken, die ihn in einem Bereich von 360 Grad überwachen oder bei der Geradeausfahrt einen Bereich von 130 Metern scannen. Dann wird man quasi alles an Kommunikations- und Entertainment-Optionen bestellen können, was möglich ist. So gibt es erstmals bei Ford das Premium-Sound-System «B & O Play». Ferner wird das erstmals für den Fiesta erhältliche «Sync 3»-System über einen 8-Zoll-Touchscreen bedient.
Neues ist auch von den Motoren zu berichten. Nebst dem weiterhin in drei Varianten (100, 125 und 140 PS) und in ­Verbindung mit einem manuellen 6-Gang-Getriebe angebotenen 1.0 EcoBoost-Dreizylinder-Benziner gibt es neu einen 1.5-TDCi-Vierzylinder (85 oder 120 PS, je mit 6- Gang-Schaltung). Weiter soll es die 100-PS-Variante des 1.0-EcoBoost auch in Verbindung mit einer 6-Gang-Automatik mit Schaltwippen am Lenkrad geben. Ferner kommt noch eine 1.1-Liter-Variante des Dreizylinders mit 70 oder 85 PS in Verbindung mit einem 5-Gang-Getriebe dazu.

 

 

Schwerpunkt auf die Qualität gelegt
Auch der Innenraum des Fiesta wurde komplett überarbeitet, wobei man laut Ford auf «eine verbesserte Verarbeitungs- und Materialqualität» schaute. Wie ein erster Blick in die vier Varianten anlässlich der statischen Modellpräsentation in Köln ergeben hat, dürfte ebenfalls dieses Ziel erreicht worden sein. Zwar wurde beim Ausprobieren und Abklopfen der Funktionen und Materialien immer wieder betont, dass es sich noch um «Vorserienqualität» handelt, doch gerade für einen Kleinwagen wird auch hier das Level hoch ausfallen.
Ferner wirkt nun im Interieur die Architektur aufgeräumter, und die Bedienung wurde vereinfacht. So kommt dank dem 8-Zoll-Touchscreen, seine Integration in die übrige Architektur könnte noch etwas harmonischer sein, die Mittelkonsole nun mit halb so vielen Bedienelementen aus. Eine Fiesta-Novität ist das optionale Pa­norama-Schiebedach, es raubt einiges an Kopffreiheit, das dem Kleinwagen einen Touch Oberklasse verleiht. Ein weiterer Luxus für den Kleinen!