INTERVIEW ANDRÉ HEFTI: EIN GENFER SALON MIT AUSRICHTUNG ZUM ELEKTROAUTO

Am 87. Autosalon setzen sich die Alternativ­antriebe und selbstfahrenden Autos markant in Szene.

«Wir haben uns entschieden, der Halle 7 mit den speziellen Sonderanlässen einen neuen Impuls zu geben»

Der 87.  Internationale Automobil-Salon von Genf findet vom 9. bis 19. März 2017 in den Palexpo-Hallen statt. Er breitet sich auf einer Fläche von etwa 110 000 m² aus und zieht rund 220 teils weltweit bekannte Aussteller an. Fast 900 Fahrzeuge, darunter mehr als 100 Weltpremieren, werden während zwei Wochen ausgestellt. Vor dieser Kulisse können die Besucher auch die ersten Neuheiten der Elektromobilität bewundern und den Trend zum autonomen Fahren verfolgen. Der Generaldirektor des Salons, André Hefti, gibt uns einen ersten Einblick.

«Automobil Revue»: Was bringt uns der Genfer Salon 2017 zu einer Zeit, wo sich die Hersteller Gedanken um die Zukunft des Automobils machen?

André Hefti: Was die Infrastruktur anbelangt, so kommen keine neuen Hallen hinzu. Dafür organisieren wir zwei Ausstellungen, um der Halle 7 neue Impulse zu verleihen. Die zwei Präsentationen gehen in Zusammenarbeit mit der Swiss Automotive Aftermarket (SAA), der Organisation der Schweizer Garagen-Zulieferbranche, über die Bühne: ein kurzer Anlass vom Dienstag, 7., bis und mit Montag, 10. März, und ein weiterer während der gesamten Salondauer. Es handelt sich um ein neues Konzept mit Sonderausstellungen und weiteren täglich geplanten Aktivitäten während der ersten Woche. Wir glauben, dass wir die Halle, die wir die «Zubehör-Halle» genannt haben, in einen spezialisierten Anlass-Salon umwandeln sollten, welcher der Autobranche und ihren Partnern zugutekommt. Der Zugang erfolgt direkt von der Arena, die wir nicht verwenden, oder per Rolltreppe vom Salon-Innern.

Sehen Sie weitere Neuerungen vor?

Wir ändern bei den Fahrzeughallen nicht viel. Den Grossausstellern steht wieder die gleiche Fläche zur Verfügung. Eine Ausnahme betrifft Alpine als Weltpremiere, mit einem von Renault separaten Stand in der Halle 2. In den Fahrzeughallen hatten wir spezifisch immer das Problem, die Besucher vor den Ständen der Luxusautos zirkulieren zu lassen, weil die Aussteller ihre Modelle hinter Schranken präsentieren. Das führte oft zu Staus, besonders während der Wochenenden. Diese Situation hat uns dazu veranlasst, einige Stellen breiter zu gestalten und Blockaden abzubauen. Es liegt uns sehr am Herzen, dass die Besucher sorgenfrei durch den Salon spazieren können. An den Wochentagen war das nie ein Problem, aber am Samstag und Sonntag kam es wie gesagt an manchen Stellen schnell zu Stockungen.

Gibt es wieder eine Sonderausstellung?

Ja, diese wird erneut mit der Teilnahme von Tag Heuer in der Halle 3 abgehalten. Wir wissen noch nicht genau, was uns die Uhrenmanufaktur zeigen wird, aber man kann sich wie immer auf etwas Interessantes freuen.

Hug25

900 Fahrzeuge sollen am 87. Autosalon in Genf vorgestellt werden.

Und wie steht es um die Revolution bei den Elektroautos?

Dieser neue Trend breitet sich gehörig aus und der Genfer Salon trägt dem Rechnung. Erinnern Sie sich, dass noch vor kurzer Zeit die Verantwortlichen des Volkswagen-Konzerns bestritten, sich der Elektrifizierung anschliessen zu wollen, während sie heute beabsichtigen, die Elektromobilität voranzutreiben und eine ganze Modellfamilie lancieren. Was das selbstfahrende Auto anbelangt, schreitet die Entwicklung ebenfalls rasch voran. Wir stehen heute erst am Anfang, aber die Fortschritte sind gewaltig. Zum gleichen Thema sei erwähnt, dass neben dem Genfer Auto-Salon auch die Elektronik-Messe in Las Vegas CES viele Autohersteller anlockt (Anm. d. Red.: s. S. 8), wenn es um die Definition des Fahrzeugs von morgen geht.

Während der zweiten Salon-Woche halten wir übrigens in Genf einen Kongress ab, bei dem die Spezialisten zu diesem Thema zusammenkommen. Für das selbstfahrende Auto muss natürlich die Infrastruktur erstellt werden, aber es ist denkbar, dass auf den amerikanischen Autobahnen mit ihren vielen Spuren eine für jede Art Fahrzeug reserviert werden könnte. Bei uns liegt die Lage allerdings anders … Dennoch ist klar, dass diese Fahrzeuge zuerst auf den Autobahnen auftauchen werden, bevor sie im Stadtverkehr eingesetzt werden können. Wir sind am Anfang der digitalen Ära, aber die Einführung der autonomen Mobilität dürfte umgehend bevorstehen. Wir denken auch darüber nach, wie sich der Salon angesichts dieser Sachlage entwickeln könnte.

Ändern sich die Öffnungszeiten für die nächste Durchführung?

Nein, die Öffnungszeiten bleiben gleich wie im Vorjahr, was auch für die Eintrittspreise gilt. Eine Änderung betrifft allerdings die Billettschalter, die seit Anfang Dezember offen sind. Zum Salonanfang werden die Feierlichkeiten zum «Car of the Year» jetzt am Montag vor der Eröffnung in einem kleinen Saal abgehalten. Der Salon 2017 wird von Johann Schneider-Ammann eröffnet. Es ist also nicht mehr der Bundespräsident, der diese Aufgabe übernimmt, sondern einer der Bundesräte, der von der Regierung dafür ausgewählt wird.

René Hug