EDITORIAL: GRADMESSER ODER DOCH FIEBERMESSER

Der Ford F-150 ist in den USA der Bestseller unter den Pick-ups. © zVg.

Die Naias, die North American International Auto Show, in Detroit (US-Bundesstaat Michigan) ist traditionell die erste grosse Automesse des Jahres. Sie setzt in Sachen der zu erwartenden Fabrikate mindestens eine erste Duftmarke und bietet einen Ausblick auf das, was kommt – und dadurch vielleicht auch auf das, was eher weniger kommt. Oder zumindest zu erwarten ist. Und obwohl sie durch eine räumlich nicht einmal so wahnsinnig weit entfernte andere Messe – der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas (Nevada) – zunehmend Konkurrenz erhält (vergleiche AR 1/2 2017), setzt die Naias vermehrt auch auf Entwicklungen der sogenannt «neuen Mobilität», das heisst etwa den autonomen sowie vernetzten Fahrzeugen. Das macht natürlich Sinn, denn gerade auf der CES drängen sich zunehmend die Autohersteller in den Vordergrund und tun sich zur Entwicklung von neuer Technologie mit klassischen Firmen aus der Welt der Elektronik bzw. Unterhaltungselektronik zusammen.
Geht es nun also in Naias-Messehallen völlig lautlos zu und her, bzw. würden die dort präsentierten Schaustücke ihre Motoren anlassen, wäre dann nur ein orchestriertes Schnurren von Elektroantrieben vernehmbar? Weit gefehlt! Die Luft wäre wohl erfüllt von brachialem Donnergrollen, produziert durch zig V8-Big-Blocks. Motoren, welche all die schweren Pick-ups und SUV antreiben, welche auch 2017 in Scharen auf der Naias zur Schau gestellt werden. Es geht auch dieser Tage um PS und Newtonmeter sowie Zugkraft und Beschleunigung. Klar, die umweltfreundlichen Produkte gibt es auch, vielleicht sogar mehr denn je, doch es ist deutlich, dass sich in Detroit bereits ein gewisser Trump-Effekt abzeichnet. Wie unsere Reportage in dieser Zeitung ergeben hat, ist beim Kaufverhalten gerade jetzt wohl keine Abkehr der so beliebten mächtigen «Ami-Schlitten» zu erwarten. Somit kann man sich effektiv fragen, ob denn die Naias eher ein Gradmesser oder doch schon ein Fiebermesser ist. Denn ist sie effektiv ein Gradmesser, dann stehen in Detroit eben diese Fahrzeuge, die in Nordamerika am stärksten nachgefragt werden. Und ist die North American International Auto Show doch eher ein Fiebermesser, sollte man ablesen, woran die ganze Entwicklung krankt. Denn mit Blick auf das Weltklima – und die all in diesem Zusammenhang stehenden weltweiten Bemühungen der Autohersteller – ist zu hoffen, dass ihre Anstrengungen nicht im Sand verlaufen.

 


INHALT – AR 3/2017

TITELTHEMA
America First Detroit Auto Show 2017
Trump-Effekt
Vogel’s Offroads: Von XS zu XXL und 2017 geht es weiter

POLITIK
NAF: Alle profitieren

NEUHEITEN
Opel Crossland X, Toyota Yaris

TESTS & FAHRBERICHTE
Renault Clio R.S.: Test
Nissan-Trail: Fahrbericht

AUTO & HANDEL
Marktanalyse 2016

SPORT
Rallye Dakar: Peugeot feiert einen Dreifachsieg
Formel 1 Fix: Wehrlein zu Sauber, Bottas zu Mercedes
Daytona 24: Jeffrey Schmidt erstmals mit Audi am Start

RUBRIKEN
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