UNSERE TOPS UND FLOPS AM «SALON 2017»

Die Redaktion der «Automobil Revue» stellt Ihnen ihre am meisten und am wenigsten geliebten Fahrzeuge des 87. internationalen Autosalons in Genf vor.


 

Martin Mäder, Chefredakteur Automobil Revue

Seat Ibiza

In der jetzt 5. Auflage ist der Seat Ibiza erwachsen. Dies auch dank höherklassigen Features wie LED-Licht oder einer Rückfahrkamera. Dabei wäre aber gerade diese nicht nötig, denn der Ibiza 2017 ist perfekt kompakt. Die Länge nahm um 2 mm auf 4.06 m ab, die Breite legte um 8.7 cm zu. Ich bin gespannt, wie sich der Iberer mit der komplett neuen Plattform, er beruht wie der künftige VW Polo auf der A0-Version von VWs Modularem Querbaukasten (MQB), fährt.

FLOP: Mercedes-Maybach G650 Landaulet

Ein Flop? Keine Ahnung, ich müsste das Auto zuerst fahren. Und die auf 99 Exemplare limitierte Produktion dürfte schon weg sein. Klar, mit der genialen Offroad-Technik, viele Landaulet basieren auf Repräsentations-Limousinen, kommt dieser Mercedes-Maybach wohl fast überall durch, dennoch ist das ca. 750 000 Euro teure Gefährt für vier Insassen ein Auto, das die Welt nicht braucht.


 

Peter Rohrer, Redakteur Automobil Revue

TOP: Techrules Ren

Der Supercar mit Dreier-Cockpit ist im Prinzip ein Plug-in-Hybrid mit einer Gasturbine als -Range Extender. Diese lädt via den direkt angeflanschten 30- oder 80-kW-Generator die -14-, 25- oder 32-kWh-Batterie. Die Leistungsdaten der Top-Konfiguration mit sechs E-Motoren sind denn auch galaktisch: 960 kW, 2340 Nm, 2.5 s auf 100 km/h, 320 km/h schnell und 1170 km NEFZ-Reichweite pro 80-L-Tankfüllung Diesel. Das Coolste an der brandheissen Turbine ist aber, dass sie mit unterschiedlichsten Treibstoffen klarkommt: Benzin, Diesel, Kerosin, Erdgas, Biogas und Wasserstoff.

FLOP: Quant 48Volt

An sich müsste ich den Quant 48Volt begeistert nach links auf meine Top-Seite setzen: 560 kW stark, in 2.4 s auf 100 km/h, bis 300 km/h schnell, Reichweite rund 1000 km und als «Brennstoff» brauchts lediglich zwei ungiftige Elektrolytlösungen. Leider publiziert die nanoFlowcell Holdings Ltd. diese vollmundigen Versprechungen über ihre Quant-Autos nun seit mehreren Jahren, verweigert sich aber weiterhin standhaft jeglicher Nachprüfung von unabhängiger Seite.


 

Michael Schenk, Redakteur Sport Automobil Revue

TOP: Opel Insignia Grand Sport

©GIMS

Punkto Linienführung sexy à la Topmodel Gisele Bündchen, zumindest im aufgeladenen 2-Liter-Modus mit Allrad, die gnadenlose Power eines Rennpferdes und inhaltlich exquisit ausgestattet wie die Junior-Suite im «Waldorf Astoria». Der grosse Astra-Bruder überzeugt  – und das zu einem äusserst attraktiven Preis.

FLOP: Rinspeed-Oasis-Studie

Autonomes Fahren kommt und ist gut. Allein, wenn das Ding, in dem ich dann sitze, aussieht, wie ein transsexueller Biogenbomber im Ausgang, dann lieber nicht. Klar, das Concept Car zur Mobilität der Zukunft von Frank M. Rinderknecht soll zum Denken anregen; aber Radieschen gern im richtigen Garten.


 

Martin Sigrist, Redakteur Automobil Revue und Classics

TOP: Morgan EV3

Am Salon sind mir bei Morgan zwei Sachen aufgefallen: einerseits deren Whisky-Selektion und der EV3. Der Elektro-3-Wheeler der Autohandwerker aus Malvern Link (GB) führt auf augenzwinkernde Weise das Erbe von H. F. S. Morgan ins 21. Jahrhundert fort. Zum Whisky gibt es anzumerken, dass Morgan auch zu Hause ein routinierter Gastgeber ist. Mit bis zu 20 000 Eintritten jährlich empfängt Morgan mit Abstand am meisten Besucher pro gebautes Auto – pretty amazing!

FLOP: Pick-Ups

©GIMS

Der letzte Schrei: Pick-ups. Europäisiert oder besser europäisch-urbanen Verhältnissen angepasst, erhalten die in den USA beliebten «Trucks» (Lastesel) allerlei Luxus-Gadgets und einen Deckel für die Ladefläche. Zweifelsohne fährt es sich ruhiger, wenn am nächsten Rotlicht sich niemand einfach der verlockenden Ladung bedienen kann: Golftaschen, gefaltete Kinderwagen, Skiausrüstungen oder neue Topfpflanzen. Der Pick-up – Variation des Full-Size-SUV für Leute ohne Hund …


 

Jérôme Marchon, Chefredakteur Revue Automobile

TOP: Aston Martin Rapide AMR

©GIMS

Als eines der schönsten Viertürer-Coupés auf dem Markt stellt der Aston Martin Rapide die erste Inkarnation des Labels AMR dar, dem Synonym für radikale Performance bei Aston.  Der V12-6-L-Sauger leistet nun 600 PS, sein Body wurde mit angedeuteten Karbon-Aufsätzen aufgehübscht, und eingekleidet wurde der Supercar im traditionellen Stirling-Grün der Renn-autos. Versprochene Höchstgeschwindigkeit: 338 km/h. Limitiert auf 210 Stück.

FLOP: BMW

Abgesehen von der Bezeichnung Touring (Break) der neuen Serie 5 und einer Serie 4 mit minimalen optischen Liftings haben wir am Stand des Münchner Autobauers nichts Aussergewöhnliches oder besonders Auf-regendes entdeckt. Hoffen wir mal, dass das Rendez-vous diesen Herbst auf deutschem Boden ein paar Überraschungen in petto hat.


 

Gilles Rossel, Redakteur Revue Automobile

TOP: Porsche Panamera Turismo

Ein Porsche Kombi? Ein Sakrileg? Die schönen Linien des Panamera Turismo beweisen das Gegenteil. 2012 als Konzept in Paris (F) das erste Mal gezeigt, kommt die neue Kreation aus Stuttgart (D) rechtzeitig für alle, denen es verzweifelt nach einer Fahrzeugklasse dürstet, welche bislang zugunsten von SUV vernachlässigt wurde. Doch auch Porsche musste einstecken, war doch der Alfa Romeo Stelvio ein heftiger Tritt gegen den ehrwürdigen Cayenne …

FLOP: Mercedes AMG GT Concept

Nach dem 2015 geborenen herrlichen AMG GT genügte schon die Verwendung eines fast gleichen Namens, um die Neugier zu wecken. Doch die wurde bei diesem Concept Car, welcher mit einem übertriebenen Bling-Bling-Design sowie mit überdimensionalen Felgen verführen will, rasch enttäuscht. So ganz anders als die eigentlich von der Marke bekannte Finesse. Bleiben als Trost noch die über 800 Pferdestärken.


Lorenzo Quolantoni, Redakteur Revue Automobile

TOP: Alpine A110

Nach dem langen «Teasing» war die Gefahr einer Enttäuschung gross, aber die Alpine hat ihr Comeback geschafft. Perfekt füllt sie das Vakuum zwischen dem Alfa 4C und dem Porsche 718 Cayman und geizt nicht mit Raffinesse wie doppelten Dreiecksquerlenkern vorne und hinten sowie einer Alu-Karosserie. Das Leergewicht von 1080 kg sollte den 250 PS des 1.8-L-Turbos (320 Nm) keine Probleme bereiten. Und dann dieser Look – eine umwerfende Neuinterpretation ihres Vorgängers, die sie zu einem der Stars des Salons machte.

FLOP: DS 7 Crossback

DS, die Luxusmarke der PSA-Gruppe, versucht, sich ein Stück des leckeren SUV-Kuchens abzuschneiden. Auf der Suche nach dem «Luxus à la Française» schrammt die Marke mit ihrer Überdosis Chrom innen und aussen am Rand des Grotesken vorbei. Hinzu kommt das Fehlen von grosshubigen Motoren (es gibt max. 1.6 l), was einer Todsünde gleichkommt, wenn man den Premium-Markt erobern will.


 

Eugenio D’Alessio, Redakteur Revue Automobile

TOP: Fittipaldi EF7

Wie üblich, war der Autosalon Genf reich an Supercars. Ob es den Kategorie-Leadern gefällt oder nicht, der von Pininfarina entworfene Fittipaldi EF7 war das designmässig spektakulärste Auto auf Platz. Mit seinem «Hai-Look», wie es der zweifache F1-Weltmeister bezeichnet, stellt dieser Traumwagen das Auto in seiner reinsten und pursten Form dar.

FLOP: Range Rover Velar

Viele sind schier in Ekstase verfallen und haben die quasi geniale Linienführung des jüngsten Range-Rover-SUV verehrt. Auf die Gefahr hin, gegen den Strom zu schwimmen und der vorherrschenden Meinung zu widersprechen, finde ich, dass dieser Velar einen derart fundamentalen stilistischen Minimalismus ausstrahlt, dass es ans Unpersönliche und Kalte grenzt. Der jüngste Spross der englischen Marke erstickt jegliche Emotionen. Der mit «Blade» (Klinge) Fehlbenannte, stumpft die Sinne ab, statt sie zu schärfen.


 

Olivier Derard, Redakteur Online und Print Revue Automobile

TOP: RUF CTR 2017

Vor diesem Tuner – sorry, «Veredler» – bleibt auch eine Ikone wie der 911 nicht unverschont. Dies aber mit allem Respekt für die Philosophie dieses Autos, um dessen Quintessenz zu erhalten! In diesem Bereich war bislang niemand besser als Ruf. Die neueste Kreation: Der Ruf CTR 2017, eine Hommage an den «Yellow Bird» aus den 1980er-Jahren. Zum Menü gehören ein Karbon-Chassis und Flat-6er mit 710 PS. Und mehr ging echt nicht?

FLOP: Volkswagen Arteon

Als Fan von Volkswagen war ich von der neuesten Wolfsburg-Kreation, dem Arteon, enttäuscht. Warum? Die deutsche Marke will ihn an der Spitze seines Segments positionieren, gibt ihm aber die zum Halten einer solchen Position überhaupt notwendigen Waffen nicht mit auf den Weg: Er kriegt die Plattform des Golf und das Interieur eines Passat. Eine Ernüchterung ist auch der Innenraum: Er bietet keine einzige technologische Innovation der VW-Gruppe. Enttäuschend!