RICHARD, EBERLE ODER THOMA?

Beim vorletzten Lauf der TCR Germany auf dem Sachsenring fährt der Berner Kris Richard erstmals in dieser Saison aufs Podest und ist somit wieder bester Schweizer im Riesenfeld.

Eberle im Seat. ©ADAC

Der achte Rang im ersten Rennen war o.k., aber nicht das, wo ich hinwill», hielt Kris Richard nach Rennen 1 im Rahmen der TCR Germany auf dem Sachsenring fest. Gewonnen wurde dieses erste Rennen von Sheldon van der Linde. Der 18-Jährige feierte damit seinen ersten Sieg in der populären TCR Germany. Der Süd­afrikaner siegte im Audi RS3 LMS vor Vizemeister Harald Proczyk (41, A) im Seat Leon und dem von der ADAC Stiftung Sport geförderten Mike Halder (21, D) in einem weiteren Seat. Von Startplatz 9 losgefahren, konnte sich Richard in dieser Ranglistengegend halten. «Ich habe nichts forciert und beliess es bei vielleicht 90 Prozent.» Natürlich galt es auch, nachdem er diesbezüglich zuletzt Pech hatte, das Auto heil über die Runden zu bringen. Denn: Schon am Wochenende findet auf dem Hockenheimring das Saisonfinale statt. Und da soll es noch einmal richtig krachen im Gebälk. Nach dem Unfall in Zandvoort  (NL) war das Chassis des Honda Civic Type R von Richard verzogen. «Mein Team hat sich entschieden, für die letzten beiden Rennen eine komplett neue Karosserie aufzubauen.» Mit Erfolg, wie Figura zeigt.

 

Chance genutzt

Da in Rennen 2 die Top 10 aus dem Qualifying in umgekehrter Startaufstellung abfuhren, konnte Richard direkt neben seinem Team- und Honda-Markenkollegen und überragendem Leader in der Gesamtwertung, Josh Files, ins Rennen gehen. Das Ziel,  ein Podestplatz, war deshalb klar. Ein Unterfangen, welches ihm, dem FIA-Tourenwagen-Europameister aus dem Vorjahr, heuer noch nie gelungen war. Diesmal freilich schon. Hinter Files und Mike Halder, dem Einzigen, der Files in den letzten beiden Rennen den Titel theoretisch noch streitig machen kann, überquerte Richard die Ziel­linie als Dritter. «Das war ein gutes Rennen, auch wenn ich anfangs das Tempo nicht ganz mitgehen konnte. Aber ich bin natürlich happy, dass es geklappt hat.» Ein Erfolg, den sich der Berner mehr als verdient hat. Zweimal war er heuer schon kurz vor Schluss auf Rang zwei infolge technischer Defekte ausgefallen. Dazu hatte man ihm in Zandvoort die schnellste Trainingsrunde gestrichen, und zweimal wurde er in den Top 10 fahrend unschuldig abgeschossen. «Irgendwie hat sich da schon ein Stein in meiner Brust bemerkbar gemacht. Du versuchst immer, das Beste zu tun und scheidest dann so aus. Darum bin ich umso glücklicher, dass es jetzt endlich geklappt hat.»

Glück muss man haben

In Rennen 1 der diesjährigen TCR Germany im April hatte Kris Richard gleich auf Anhieb die Pole-Position erobert. Nach etwas noch zu zögerlichem «Infight» musste sich der  22-Jährige damals mit dem vierten Rang begnügen. Inzwischen hat er seine Lektion in der TCR Germany gelernt. «Ein bisschen fährt die Vorsicht aber trotzdem immer mit», so Richard. Schliesslich kann er nicht auf solch üppige finanzielle Ressourcen zurückgreifen, wie dies etwa Josh Files kann. Da fährt es sich bisweilen schon ein bisschen lockerer. Und wenn einem eh schon alles ein bisschen leichterfällt, steht das Glück dann oft auch noch Pate. Files verlor im Qualifying sechs Tausendstelsekunden auf Richard und war damit 11. Damit hätte er in beiden Rennen vom elften Startplatz aus losfahren müssen. Doch weil ein Konkurrent nach dem Quali 100 Milliliter zu wenig Benzin im Tank hatte, rutschte Files auf Rang zehn und damit auf die Pole-Position in Rennen 2 vor.

Wer wird CH-Meister?

Zweitbester Schweizer in Rennen 1 war der Ostschweizer Pascal Eberle als 11. (12. im zweiten Rennen) und in Rennen 2 Florian Thoma als 8. (20. im ersten Rennen). Das Trio Eberle (2. in Oschersleben), Thoma (1. in Oschersleben) und Richard ist es auch, das heuer für die Schweizer Podestplätze in der TCR Germany gesorgt hat. Alle drei wollen natürlich beim «Heimrennen» am Wochenende auf dem Hockenheimring dieses Kunststück wiederholen. Zuzutrauen ist es jedem von ihnen. Dabei geht es auch noch gleich um die inoffizielle Schweizer Meisterschaft in der TCR Germany. Vor den beiden abschlies-senden Läufen führt in dieser Wertung Kris Richard mit 160 Punkten als Gesamtneunter vor Eberle mit 159 Punkten als Gesamtzehnter und Thoma mit 141 Punkten als Gesamtdreizehnter. «Natürlich hilft dieser Titel nichts, wenn es darum geht, ein Cockpit für die nächste Saison zu finden respektive zu finanzieren», sagt Richard. Aber: «Cool zu sagen, man sei der beste Schweizer in der TCR Germany Saison 2017 gewesen, wäre es natürlich schon.» Es wird auf jeden Fall spannend am kommenden Samstag und Sonntag in Hockenheim. 


 

Prima Vorstellung von «Young Driver» Olivier Holdener

Eine richtig gute Leistung zeigte auf dem Sachsenring Olivier Holdener. Der 20-Jährige aus Bennau SZ ist einer der drei Sieger der Young Driver Challenge von «AutoScout24», powered by Seat. Mehr als 1200 Fahrerinnen und Fahrer mit und ohne Rennerfahrung hatten sich im Mai zu den ersten regionalen Ausscheidungen auf lokalen Kartbahnen gemeldet. Die zehn Finalisten massen sich dann Mitte Juni in Anneau du Rhin im Elsass in einem 300 PS starken ­Seat Leon Cupra TCR. Die «Young Drivers» wurden dabei von den Markenbotschaftern Nico Müller und Fredy Barth begleitet und beraten. Die Profi-Rennfahrer amten nicht nur als Coaches, sondern bewerten gleichzeitig die Leistungen der jungen Fahrer. Den Young-Driver-Challenge-Aspiranten standen zusätzlich die beiden Seat-TCR-Piloten Ronny Jost von Topcar Sport GmbH und Pascal Eberle als Experten zur Seite. Die drei Sieger, Oliver Holdener, Orhan Vouilloz und Xavier Gustavo gewannen einen Startplatz in einem TCR-Germany-Rennen in einem Seat Leon des Rennstalls Topcar Sport. Während Xavier Gustavo auf dem Nürburgring Lehrgeld zahlen und mit Klassierungen weit hinten vorliebnehmen musste, mischte Holdener munter im vorderen Drittel mit. Hätte er in Rennen 1 nicht das Safety Car überholt und dafür eine Durchfahrtsstrasse kassiert, wäre er viel weiter vorne als auf Rang 30 gelandet. Und auch in Rennen 2 zeigte der Innerschweizer als 16. eine prima Vorstellung. «Ich bin seit dem Alter von zwei Jahren beim Karting dabei», erzählt er stolz. Bis 2009 sei er in der Schweizer Meisterschaft unterwegs gewesen. «Dann musste ich infolge Geldmangels aufhören.» Sein bestes Resultat war ein 5. Rang im SM-Gesamtklassement. Der Schwyzer, der bei Wolf-Power Racing arbeitet und da im Vorfeld seines TCR-Debüts auch den Simulator eifrig benutzen durfte, verfolgt seither immer den Traum, seine Motorsportkarriere wieder aufzunehmen. Nun, mit seinem Auftritt auf dem Sachsenring hat er einen Schritt dazu getan.