VORSPRUNG DURCH GAS?

Die aktuelle Motorenentwicklung fokussiert sich aus naheliegenden Gründen nicht nur auf die Effizienz, sondern insbesondere auf alternative Antriebskonzepte sowieTreibstoffe zur CO2-Reduzierung. Bei Audi ist dies unter anderem die g-tron-Technologie.

@Audi

Bekanntlich steht Audi für Autos mit einer zwar gehobeneren, aber nicht minder sportlichen Prägung. Seit einigen Jahren forcieren die Ingolstädter aber auch im Gleichschritt die Effizienz – und vor allem in jüngster Vergangenheit die Umweltfreundlichkeit.

Ein Beispiel für diese Initiative der deutschen Premiummarke sind die g-tron-Modelle. Dabei steht die Bezeichnung ­g-tron für Fahrzeuge, die sowohl mit Erdgas als auch mit Benzin betrieben werden können. Die aktuell verfügbare g-tron-Flotte bilden die Modelle A3 Sportback g-tron, A4 Avant g-tron und A5 Sportback g-tron.

Alternative zu Elektro

Die g-tron-Initiative von Audi ist im Bemühen der Autohersteller zu sehen, Alternativen zu den herkömmlichen Verbrennungsmotoren anzubieten. Gewiss ist gerade die Marke mit den vier Ringen im Logo ebenfalls beim Elektroantrieb sehr aktiv – mit dem A3 Sportback e-tron sowie dem Q7 e-tron quattro führt man aktuell zwei einschlägige Modelle im Angebot –, doch man setzt eben auch verstärkt auf Erdgas/Biogas-Mobilität.

Doch Audi bietet nicht «nur» Fahrzeuge an, welche sich mit Gas betreiben lassen, sondern man engagiert sich auch bei der eigentlichen Herstellung von synthetischen Treibstoffen. Denn gemäss Audi berücksichtigt man neben dem reinen Fahrbetrieb auch die Treibstoffproduktion. Nicht zuletzt, um die Thematik aus der sogenannten «Well to Wheel»-Perspektive zu kennen    dieses Prinzip bedeutet «vom Bohrloch bis zum Rad», wobei man die gesamte Wirkungskette für die Fortbewegung von der Gewinnung und Bereitstellung der Antriebsenergie bis zur Umwandlung in kinetische Energie betrachtet –, betreibt Audi im niedersächsischen Werlte eine Power-to-Gas-Versuchsanlage.

Ein Kreislauf: Überschuss-Strom aus Windkraftanlagen dient in der Audi e-gas-Anlage zur Elektrolyse; der Wasserstoff wird zu Methan – dem e-gas von Audi. © zVg.

Individuelle Audi-Lösung

Das erklärte Ziel ist, die ausgestossenen CO2-Emissionen im Gasbetrieb auf diese Weise gegenüber einem vergleichbaren Benziner- oder Dieselfahrzeug deutlich zu reduzieren. Durch die gesamtheitliche Betrachtung des Themas ist Audi in der ­Lage, für Fahrzeuge mit Erdgasbetrieb quasi eine eigene Lösung anzubieten: die Audi-g-tron-Modelle in Kombination mit dem eigens entwickelten Treibstoff Audi e-gas.

Audi stellt das synthetische e-gas mithilfe von erneuerbaren Energien her, aus Wasser und CO2 oder aus Reststoffen wie Stroh und Grünschnitt. Dies geschieht unter anderem in der eigenen Power-to-Gas-Anlage in Norddeutschland. In der Produktion bindet Audi e-gas insgesamt genau die Menge an CO2, die das Auto emittiert. Insgesamt bindet die Anlage bis zu 2800 t CO2, mit dieser Menge können rund 1500 Audi-g-tron-Modelle je 15 000 Kilometer im Jahr annährend CO2-neutral fahren.

Viel Reichweite

Um eine möglichst optimale Verdichtung zu erhalten, arbeiten in den TFSI-Motoren der g-tron-Modelle speziell für den Gasbetrieb angepasste Kolben und Ventile. Ein elektronischer Regler verringert den hohen Druck von bis zu 200 Bar des vom separaten Gastank einströmenden CNG (Erdgas, compressed natural gas) auf 5 bis 10 Bar Arbeitsdruck im Motor. Eine Steuerelektronik stellt sicher, dass in der Gasleitung und in den Einblasventilen stets der benötigte Druck bereitsteht – im unteren Drehzahlbereich ein niedriger Druck sowie ein höherer Druck für mehr Leistung und Dreh­moment.

Die CNG-Behälter werden für einen möglichst guten Schutz im Hinterwagen der g-tron-Modelle eingebaut. Beim Audi A4 Avant g-tron etwa bilden vier zylindrische CNG-Behälter ein kompaktes Modul. Vor direkter Beschädigung schützen Schalen aus Stahlblech. Das gesamte CNG-Tankmodul fasst 19 kg Erdgas/CNG, hinzu kommt noch ein 25-Liter-Benzintank (beim Audi A4 Avant g-tron und A5 Sportback g-tron; beim A3 Sportsback g-tron 14.4 kg und 50 l). Die Einfüllstutzen für Gas und Benzin befinden sich unter einer gemeinsamen Tankklappe. Über den jeweiligen Befüllungsstand orientieren zwei separate Anzeigen im Fahrerinformationssystem. Die Reichweiten der g-tron-Modelle liegen im Gasbetrieb bei bis zu 500 km und im Benzinbetrieb kommen weitere 450 km hinzu. So kann man bis über 900 km weit mit einem «grünen» Gewissen fahren.


Für das «grüne» Gewissen

Die Audi e-gas-Anlage in Werlte/Niedersachsen. © zVg.

Beim g-tron unterbreitet Audi den Kunden ein nachhaltiges Angebot: Sie werden für den Betrieb der Modelle Audi A3 g-tron, A4 Avant g-tron und A5 Sportback g-tron für drei Jahre mit dem klimaschonenden Audi
e-gas ausgestattet. Bezahlt wird aber nur der reguläre Erdgas-Preis.

Diese «grüne Eigenschaft» eines A3, A4 oder A5 g-tron bekommt man während der ersten drei Jahre kostenlos mitgeliefert. Audi stellt damit als Hersteller sicher, dass die von der gesamten g-tron-Flotte verbrauchte Energiemenge an anderer Stelle in Form von erneuerbarem Methan ins europäische Gasnetz eingespeist wird. Berechnet wird dies über die jeweilige Kilometerlaufleistung und den Normverbrauch.

80 % weniger CO2

Für 10 Kilogramm Methan (CH4), das man an der Zapfsäule tankt und dann verbraucht, gibt Audi 10 Kilogramm synthetisches Methan oder Biomethan wieder ins Netz ab. Damit tragen diese Audi-Kunden mit dem Kauf eines Audi-g-tron-Modells dazu bei, dass in der individuellen Umweltbilanz der CO2-Ausstoss um 80 % geringer ausfällt (analog des «Well to Wheel»-Prinzips im Vergleich mit einem Benzinmodell mit vergleichbarer Leistung). Laut Audi-Experte Reiner Mangold sieht die Marke dies als «Hallo-Wach-Massnahme», um aufzuzeigen, dass es neben dem Elektroantrieb auch weitere Möglichkeiten gibt, die CO2-Emissionen wirksam und nachhaltig zu reduzieren. Nach drei Jahren Gratisbezug hat der Kunde dann die Wahl, diesen bilanziellen Bezug von Audi e-gas gegen eine Kostenübernahme fortzusetzen. Dieser Betrag geht dann an ­Audi, und der Hersteller leitet das Geld an Produzenten von erneuerbarem Methan weiter.