Spanisch verstehen

JUNGE MARKE Ein eigenes Modell, eine Modellvariante, eine Studie und zwei Rennwagen – Cupra hat viele Gesichter. Was steckt hinter dieser Strategie?

CUPRA Ateca

Antonino Labate war sichtlich angetan, uns die Marke Cupra in Genf zu erklä­ren. Doch damit nicht ge­nug. Damit der Zwanziger definitiv fällt, brachten die Spanier alles, was unter Cupra aktuell zu finden ist, mit auf die spanische Balea­reninsel Mallorca zur Probefahrt.

Sport steckt in einem SUV bereits in der Bezeichnung Sports Utility Vehicle. Aber ob es sich auch sportlich fährt, ist eine andere Frage. Auf der Piste wie auf der Strasse gefällt der Ateca, selbst wenn er als SUV bezüglich der Fahrdynamik keine Stricke zu zerreissen vermag. Entscheidend wird sein, wie viel Cupra-DNS er herüberbringen kann.

Mit dem Cupra auf dem Rundkurs
Cupra hat uns Anfang April eingeladen, die sport­lichen Vorzüge der Modellfamilie auf der Piste und der Strasse zu erfahren. Der Rundkurs Circuito Mallorca in Llucmajor bildet den geeigneten Rah­men, uns mit den Sportlichsten aller Seat vertraut zu machen – nein, halt! – uns mit der Sportlichkeit der Marke Cupra vertraut zu machen. Es stehen bereit: der Cupra Ateca und der Seat Leon Cupra R ST. Beide werden von einem Zweiliter-Turbo­benziner mit 300 PS und Allradantrieb angetrie­ben. Während der Kopf das Wort Cupra mittler­weile von sich geben kann, ohne dass wir uns ver­haspeln, sind gemäss Bauch aber beide Fahrzeuge, die da auf uns warten, noch Seat. In schwungvoller Kolonnenfahrt geht es los auf einige geführten Runden. Unser erster Kandi­dat ist der Cupra Ateca. Rund 1000 Stück des sportlichen SUV will Seat bis Ende Jahr in der Schweiz absetzten. Wir stellen den Ateca in den Cupra-Modus und heizen mehrere Runden um den engen Kurs. Wie vermutet, rührt das Wort Sport in einem SUV nicht von der Art ihn zu fahren, sondern vom Verwendungszweck: Ein Fahrzeug, mit dem man zur sportlichen Betätigung wegfahren kann, zum Wandern, zum Tennis, zum Camping oder zum Mountainbiken. Die Idee, einem SUV Sportlich­keit angedeihen zu lassen, ist derweil natürlich kei­neswegs neu. Und der Umstand, dass sich Cupra ausgerechnet mit dem SUV Ateca in der Schweiz die besten Verkaufsaussichten ausmalt, ist gewiss kein Zufall. Der SUV-Markt boomt und Sport hat heute längst nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher, wenn das Wort in Zusammenhang mit Au­tos genannt wird. Wohl lässt es sich über die Idee von automobi­ler Sportlichkeit diskutieren und sinnieren. Mit ei­nem Cupra wird man sich aber bestimmt keinen hartgesottenen Sportwagen zulegen wollen. Dabei kann der Name, ganz seiner Bestimmung entspre­chend, durchaus mit sportlichem Charisma auf­warten. Das liegt auch in dessen Geschichte be­gründet. Immerhin prangt er noch immer am sportlichsten Leon, den es gibt. Ein Seat übrigens bis heute!

CUPRA Ateca

Fluch und Segen
Nach einigen Runden auf der Piste hoffen wir, dass sich über der Frage, warum aus Cupra eine eigene Marke gemacht wurde, der Nebel lichtet, selbst wenn wir die Absicht hinter den Beweggründen schon verstehen können. Mit dem Ateca steht ein mit 300 PS gut motorisiertes Auto bereit, um die Kurven des recht kleinen Rundkurses von Mallor­ca zu meistern. Dank Allradantrieb kommt der Wagen bestens aus den Blöcken, das Siebengang- DKG lässt im Cupra-Modus des Drehschalters auf der Mittelkonsole die Gänge weit ausdrehen, vor­wärts geht es also ganz ordentlich. Auch beim An­bremsen bleibt das Drama aus. Standfest und spur treu verzögert der Ateca – vorne sind optionale Brembo-Zangen verbaut – und lenkt, sofern man es mit dem Geschwindigkeitsrausch nicht übertrie­ben hat, auch präzise ein. Dazu gibt die Lenkung gutes Feedback, man kann hübsch mit Gas, Brem­se und Lenkung des Ateca spielen. Aber er bleibt ein SUV, ein gut gebändigtes zwar, aber eben doch kein Rennwagen. Man ist ihm dafür zumeist auch dankbar. Denn auf der Strasse, auch dazu bot sich auf Mallorca Gelegenheit, zeigt sich der Cupra Ateca sehr vielseitig und anpassungsfähig – und das gilt nicht nur für die drei Anzeigevarianten der digitalen Instrumente. Im Comfort-Modus wird der Allradler zu einem angenehmen Reisewagen, ohne dabei lasch zu wirken. Das Geräuschniveau bleibt kultiviert, und die Schaltbox kommt ihrer Arbeit unauffällig nach. Auffällig am DKG ist ein­zig, wie gut es das Drehmoment des Zweiliter-Tur­bomotors ausnützt, sodass man untertourig aus ei­nem Kreisel herausziehen kann, während der Ben­ziner den 1.6 Tonnen schweren Wagen voran­schiebt. Überhaupt ist im Ateca in jeder Fahrsituation sofort abrufbare Leistung da. Als Cupra kann das SUV somit überzeugen. Als Sportwagen hingegen ist es ein SUV – sportlich zwar, aber dem Wesen seiner Art entsprechend in Sachen Fahrdynamik nicht optimal ausgelegt.

Die Cupra-Studie Formentor, benannt nach einer Halbinsel Mallorcas, ist bereits sehr nahe am ersten Cupra-eigenen Serienfahrzeug.

Sport auf die Fahne geschrieben
Auch der Seat Leon Cupra R ST gibt sich auf der Piste die Ehre. Keine Frage, der Spanier hat viel Temperament und zeigt die Vorteile eines tieferen Schwerpunkts bei schnell gefahrenen Runden deutlich: weniger Aufbaubewegungen, noch mehr Präzision beim Anbremsen und Einlenken, noch knackigere Reaktionen auf Fahrbefehle. Beson­ders deutlich wird dies bei einer auf dem Track ausgelegten Slalomstrecke.Am Ende aber bieten sowohl der Seat Leon Cu­pra wie auch der Cupra Ateca ordentlichen Fahr­spass. Selbst auf der Piste kommt kaum je das Ge­fühl auf, dass man gerade etwas verpasst, weil man im falschen Auto sitzt – ausser es winkt als Alter­native zum Ateca ein Cupra TCR. Der Renntou­renwagen zeigt, wie Sport auf der Rennstrecke geht. Als Beifahrer ist man hier bei 350 PS, einer Beschleunigungszeit von 5.2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 267 km/h Spitzengeschwindigkeit bloss Spielball der Mächte. Und der Produktions­rennwagen in der Cupra-Familie macht klar: Cu­pra ist Sport. Doch die Spanier setzten auf Mallorca gleich noch einen oben drauf und liessen auch den Cup­ra E-Racer an den Start. Mit 300 kW Dauerleis­tung und kurzzeitig abrufbaren 500 kW (für maxi­mal 10 Sekunden) sprintet er in drei Sekunden auf 100 und weiter bis 270 km/h. Saft dafür steckt in 6702 einzelnen Batteriezellen. Das Geräusch aber ist zum Fürchten, der Elektro-Racer surrt wie ein wild gewordenes RC-Auto. Doch das ist nicht die einzige Konfusion, die am Ende bleibt.Was ist nun Cupra genau? Ja, Sport steckt drin, aber nicht nur. Da sind auch gestalterische Elemen­te, wie sie etwa der kommende Formentor vorweg­nimmt, oder die kupferfarbenen Details des Ate­ca, die auf das Cupra-Logo anspielen. Die Kup­ferfarbe wirkt, ein gelungener Coup. Aber setzt Cupra stärker auf Premium? Das Wort wird von Cupra selbst nirgends erwähnt. Reichlich strapa­ziert darf es gerne anderen Marken im VW-Kon­zern vorbehalten bleiben.Vielleicht ist Cupra auch einfach nur Cupra. Aber wenn es nichts weiter ist als ein mediterraner, spanischer Weg, dem Auto eine höhere Wertigkeit zu verleihen und dem Hersteller zu einer besseren Marge zu verhelfen, bleibt die Frage, wie viel da­von für die Einführung einer neuen Marke wieder verloren geht. Wenn Cupra allerdings die Ziele er­reicht – und so scheint es –, dann ist das alles letzt­lich egal. Umso besser!

Als Rennwagen ab Stange hält der Cupra TCR sportlich die Fahne hoch.
Die 350 PS seines Zweilitermotors jagen ihn in 5.1 Sekunden auf Tempo 100.