Kurz vor der Geburt eines historischen Moments

Formel E: Pascal Derron, OK-Chef des E-Prix Zürich, steht bis zum Start am 10. Juni noch viel Arbeit bevor. « Das wird eine grosse Nummer für die Stadt », prophezeit er.

Zwei Monate vor dem Formel-E-Prix in Zürich informierte OK-Boss Pascal Derron über den Stand der Vorbereitungen. «Wir sind eigentlich erst seit Anfang Jahr im Amt», hielt Derron unter anderem fest. Insofern sei es durchaus ein gewaltiger Challenge, den er und seine Crew zu stemmen hätten. «Wir sprechen hier von einer der grössten Sportveranstaltungen im Land.» Entsprechend, so Derron, «wird man in der Stadt bemerken, dass etwas geht. Das geht nicht spurlos an Zürich vorbei», so der frühere Managing Director USA von Nüssli, einem weltweit führenden Anbieter von temporären Bauten für Sport-, Kultur- und Businessveranstaltungen. In seiner früheren Funktion hatte Derron in die Formel-1- und Indy-­Car-Welt ebenso Einblick gehabt wie in die Organisation etwa von Olympischen Spielen. Der eine oder die andere würde möglicherweise leer schlucken, wenn er oder sie erkennt, wie gross dieser Event für Zürich effektiv wird. «Das ist schon eine Hausnummer», sagt Derron. Doch das werde wie beim Züri-Fäscht, «man wird sich daran gewöhnen». Derron spricht die von ihm gegründete Swiss-E-Prix Operations AG an, welche die Rechte zur Durchführung eines jährlich stattfindenden Formel-E-Rennens in der Schweiz besitzt. Diese AG hat einen Vertrag bis 2021 mit Option bis 2024. Geplant ist nämlich, dass Zürich zu einem regelmässigen Austragungsort der Formel E wird. Immerhin hat die ABB als Titelsponsor in Zürich ebenso ihren Hauptsitz wie die Bank Julius Bär, Globalsponsor der ersten Stunde. Und auch die Bank LGT Liechtenstein, ebenfalls ein fetter Sponsor der Serie, hat Büros in Zürich – übrigens sehr nahe an der Strecke, auf der die E-Boliden am 10. Juni durch die Stadt blochen werden. Freilich so leise wie die Schiffe auf dem benachbarten See.

Interesse riesig

Kosten wird der Event die Stadt Zürich gar nichts. «Ganz im Gegenteil», sagt Derron. Die Stadt werde gutes Geld einkassieren. Die Kosten, die im Bereich von 15 Millionen Franken liegen dürften, werden von privater Seite, sprich Sponsoren und Organisatoren, getragen. Das öffentliche Interesse am Anlass ist riesig. Nicht nur, dass sich Hunderte potenzielle Freiwillige während der letzten Wochen und Monate bei den Organisatoren des E-Prix Zürich gemeldet haben, so Derron, die als Marschall dabei sein möchten. Auch die Tickets waren blitzschnell vergriffen. Anderthalb Stunden nach dem Start des Vorverkaufs am 9. April (12 Uhr) waren sämtliche Tribünenplätze (Breitingerstrasse und Mythenquai) weg. Immerhin kehrt an diesem Tag der Motorsport nach 63 Jahren in die Schweiz zurück. 1954 fand das bis dato letzte Rundstreckenrennen hierzulande statt. Nach dem tragischen Unfall in Le Mans (F) 1955 mit über 80 Toten war aufgrund des darauf erlassenen Rundstreckenrennverbots Schluss. «Alle, die keine Tickets bekommen haben, haben freien Zutritt zum Eventgelände», hält Derron fest. Abgesehen davon, dass die Formel E in der Stadt stattfindet und sich daher immer und überall entlang der Strecke Einsichtspunkte aufs Geschehen finden lassen. «Alle, die kommen, haben kostenlos Eintritt ins E-Village (Unterhaltungsbereich), zur Rahmenveranstaltung eDays sowie zu den Stehplätzen entlang der Strecke.»

Pascal Derron, OK-Chef des Formel-E-Prix in Zürich, weiss, was mit dem Event auf Zürich zukommt – «und das ist eine ganz schöne Menge», sagt er.

 

Feedbacks weitgehend positiv

Die definitive Bewilligung seitens der Stadt fehlt zwar formal immer noch – die Dossiers sind nach wie vor noch in den diversen Departementen zum Check. Allein, die Erteilung der endgültigen Rahmenbewilligung per Ende April ist seitens der Politik nur mehr Formsache. Politisch herrscht in der Angelegenheit ein formloses Degagement. Was die Anwohner angeht, so habe man diese sehr früh einbezogen, konstatiert Derron. Entsprechend hätte man mit Quartiervereinen intensiv gesprochen und regelmässig und offen informiert. «Ich war erstaunt, wie viel positives Feedback wir dabei erhalten haben.» Die Schweizer seien Neuem ­gegenüber gar nicht so sehr verschlossenen, wie es oft heisse, sagt der Manager, der lang in den diesbezüglich offenen USA gelebt hat. Die Hälfte der Leute, mit denen er geredet habe, sei interessiert an Informationen, ein Viertel kritisch und ein Viertel positiv eingestellt. «Die Leute, die sich wirklich querstellen, kann ich an einer Hand abzählen.» Doch auch in diesen Fällen wird man in dem Fall zweifellos eine ultraschlanke Lösung finden, damit der Event am 10. Juni plangemäss stattfinden kann.

Es beginnt schon Anfang Juni

Der Event wird am Freitagabend beginnen; das eigentliche Rennen findet dann am Sonntag um 18 Uhr statt. Es ist freilich nicht von der Hand zu weisen, dass es schon früher zu Einschränkungen in der Stadt kommt. «Es ist richtig, dass es rund zwei Wochen vor dem Termin gewisse Einschränkungen geben wird», sagt Derron. Dabei gehe es nicht um Vollsperrungen, sondern zum Beispiel um die Abgrenzung eines Spurabschnitts oder den Aufbau der Sicherheitszäune, währenddessen einige Stunden Lastwagen einen Strassenteil blockieren würden. Das alles tangiere den Verkehrsfluss nicht wirklich, sondern diene lediglich als Vorbereitung für den Aufbau. Die Sperrung der eigentlichen Rennstrecke wird erst am Rennwochenende von Freitagabend bis Montag um 5 Uhr nötig sein. 50 bis 80 Signaltafeln – von ganz klein bis ganz gross – werden während dieser Zeit ab- und wieder aufgebaut, Tramschienen würden keine gefüllt. «Da die Formel-E-Autos die Schienen nur überqueren und nicht darauf entlangfahren, war der Motorsportweltverband FIA damit einverstanden. Das Risiko beim Rückbau wäre laut Derron zu hoch gewesen, «dass etwas passiert und die Stadt darum blockiert würde». Am Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe muss der Berufsverkehr (Auto, Tram, Bus und Velo) wieder reibungslos durch Zürich fahren können. Selbst für Rollschuhe und Rollbretter darf es dann keine Einschränkungen mehr geben. Eine Riesenherausforderung? «Zweifellos», so Derron. «Aber keine, die mir schlaflose Nächte bereitet.» Wenn die Planung stimme, «ist das machbar». Und schliesslich gehe es hier schon um ein fast historisches Ereignis.