SCHLUSS MIT DER LÄSTIGEN PARKPLATZSUCHE

Valet Parking: Die Volkswagen-Gruppe hat am Flughafen Hamburg (D) ein Pilotprojekt zum autonomen Parken vorgestellt, das 2021 ein Ende des Such­stresses nach Parkplätzen verspricht.

Ausser der grossen Leere hätte anlässlich der Demonstration nichts erahnen lassen, dass da ein Roboter­ am Lenkrad des VW Variant «sass». Nichts, ausser vielleicht, dass die vorgeschriebenen­ 15 km/h einge­halten wurden …

Die Schranke geht hoch, und der VW Passat fährt ruhig ein auf der Suche nach einem freien Platz. Ein paar Dutzend Meter weiter findet er den passenden Platz und parkt rückwärts längs ein. Diese alltägliche Szene hat eine wesentliche Ausnahme: Nach dem Ausschalten des Motors steigt niemand mehr aus. Dafür gibt es einen triftigen Grund: Der Fahrer hat das Auto bereits vor der Parkhausschranke verlassen.

Wir befinden uns am Flughafen Hamburg (D) und haben soeben die Vorführung für auto­nomes Einparken von Audi, VW und Porsche erlebt. «Unser Ziel ist es, den typischen Tagesablauf am Flughafen so angenehm wie möglich zu gestalten», erklärt Michael Eggenschwiler, Verwaltungsratsvorsitzender des Hamburger Flughafens. Wer wünscht sichs nicht, dass sein Auto alleine einen Parkplatz sucht und nach der Landung sofort wieder abfahrbereit ist? Welch ein Luxus!»

Space Invader? Nein, dies ist kein Space Invader aus dem gleichnamigen Kultspiel. Dieses Schild ist eine Orientierungstafel, welche dem Auto hilft, sich zurechtzufinden.

Roboterisierter Fahrdienst

Dieser robotergesteuerte Valet-Service ist heute noch ein Pilotprojekt, könne aber nach Meinung der Experten von VW ab 2021 für Flughäfen einsatz­bereit sein. Allein der Zeitgewinn des autonomen Parksystems für eine gesamte Stadt wäre enorm: «Gemäss Studienergebnissen verbringt ein Bürger 41 Stunden jährlich mit der Parkplatzsuche in den deutschen Städten, 44 Stunden in den englischen Städten und sogar 107 Stunden in New York (USA), bestätigt Johann Jungwirth, Leiter der IT-Division bei VW. Das ist ein grosser Verlust an ­Effizienz und Zeit, ganz zu schweigen von der zusätzlichen Umweltbelastung.»

Aber noch ist es Zukunftsmusik, bis Herr Maier vor seiner Wohnung aus dem Auto steigt und dieses sich danach einen Stellplatz in der Nachbarschaft sucht. Die Einführung dieser Technologie erfolgt schrittweise, zuerst auf begrenzten Standorten wie geschlossenen Parkplätzen. «Aus unserer Sicht ist das autonome Einparken auf ­einem geschlossenen Parkplatz der erste Schritt auf ­Niveau vier des autonomen Fahrens, denn die V­oraussetzungen sind relativ einfach: geringe Geschwindigkeit, geschlossener Standort und kein anderer menschengesteuerter Verkehr, erklärt Marc Muntzinger, verantwortlich für Parksysteme­ bei Porsche. Danach gehen wir die komplexeren Situationen an, wenn Autos mit und ohne Fahrer gemeinsam auf dem Parkplatz unterwegs sind. Das liegt nicht nur an den Fahrzeuglenkern, sondern auch an den Fussgängern: Überall können rennende Kinder plötzlich auftauchen.»

Bestehende Ausrüstung Viele heutige Autos, die über automatische Parkhilfen und ACC verfügen, können Lenkung, Gas und Bremse bereits selbsttätig bedienen.

«Die Fahrer müssen dann eben dahinter ­warten!»

Diese Übergangsphase mit gemischtem, menschengesteuertem und autonomem Verkehr kann durchaus diejenigen aufregen, die es eilig haben: «Die Fahrzeuglenker fahren oft zu schnell auf den Parkplätzen, aber autonome Autos können nicht mit 30 km/h fahren, nur weil hinter ihnen ein ­genervter Fahrer warten muss», präzisiert Marc Mutzinger. «Das wäre zu gefährlich, Sicherheit hat Vorrang. Die Fahrer müssen dann eben ­dahinter warten!» In der Tat, während der Vorführung in Hamburg hatten wir übrige Zeit, dem autonom fahrenden Passat zu folgen, der nur mit 10 km/h fuhr. Vergessen wir nicht, dass in den meisten Parkhäusern das erlaubte Tempo sowieso nicht höher ist …

«Füllstutzen» Voll­automatisches Nach­laden ist auch noch im Köcher. Die Klappe öffnet sich, der Roboterarm fährt (sehr) langsam Richtung Wagen und stöpselt sich dann selbsttätig in die Ladebuchse des Autos ein.

Autos nahe an der Serienreife

Ein weiterer Aspekt der Autos des Pilotprojekts, VW Passat, Audi Q7 und Porsche Panamera, überrascht: ihre extreme Seriennähe. Es gibt ­weder gros­se Sensoren auf dem Dach noch sichtbare Anbauten an den vier Ecken der Autos. «Wir brauchen zwar mehr Sensorik, aber es handelt sich dabei nur um eine Weiterentwicklung der derzeitigen Systeme», verdeutlicht Johann Jungwirth. «Wir nutzen selbstverständlich unsere ­Erfahrung mit den Park­assistenten, aber wir ­machen damit einen weiteren Schritt bei der Erkennung des Umfeldes.» Dasselbe gilt auch für den Parkplatz: Die einzigen sichtbaren Änderungen sind die Schilder mit einem schwarz-weissen Symbol als Leitsystem für die Autos. «Die Anpassungen sind wirklich sehr gering. Wir haben zuerst die Baken installiert und eine digitale Karte erstellt, auf der die Stellplätze der einzelnen Autos festgelegt werden», erklärt Johann Jungwirth. «Dazu kommt ein System für das Öffnen und Schliessen des Tores und ein System für die Zahlungsabwicklung. Das ist alles; es war hauptsächlich Programmierarbeit mit wenig ­Austausch bei der Hardware.» Dieser geringe infrastrukturtechnische Aufwand und die automatisierte Rechnungsstellung sind die beste Voraussetzung dafür, dass sich dieses System überall so rasch wie möglich durchsetzt. Damit wäre die Zukunft schon ein Stück näher und der Stress der Parkplatzsuche in letzter Minute nur noch eine schlechte Erinnerung.