«Den Pokal haben sie am nächsten Tag abgeholt»

DER 18-JÄHRIGE Aargauer Ricardo Feller hat in seiner zweiten Saison in der ADAC GT Masters den Grundstein zu einer erfolgreichen Karriere gelegt. Jetzt hofft er, dass es mit Audi zweigleisig weitergeht.

ADAC GT Masters Oschersleben

Automobil Revue: Sie haben Ihre zweite Saison in der ADAC GT Masters für das Team Mücke auf dem 13. Gesamtrang beendet. Welches Fazit ziehen Sie?
Ricardo Feller: Grundsätzlich war es eine gute Saison. Ich habe viel dazugelernt und natürlich viel von meinem erfahrenen Teamkollegen, Christopher Haase, abschauen können. Wir waren immer bei der Musik, für den ganz grossen Erfolg hat es leider nicht gereicht. Aber ich hoffe, dass das nur eine Frage der Zeit ist. Das Highlight war das Rennen am Nürburgring. Dort lag ich in Führung, das war ein sehr gutes Gefühl. Leider wurden wir wegen eines Frühstarts hinter dem Safety-Car doppelt bestraft. Zuerst im Rennen mit einem Fünf- Sekunden-Penalty bei der Übergabe des Autos an meinen Teamkollegen. Und danach nochmals Stunden nach dem Rennen, nachdem wir schon als Zweite auf dem Podium gestanden hatten.

Das heisst, Sie haben Ihren einzigen Pokal abgeben müssen? Ja, den haben sie abgeholt.
Was war der Tiefpunkt? Dasselbe Rennen. Wir waren schon beim Feiern mit unseren Gästen, als das Telefon klingelte, ich müsse nochmals zur Rennleitung hoch. Dann gab es für dasselbe Vergehen eben nochmals eine Strafe. Ich kann das zwar nicht nachvollziehen, aber die Stewards hatten es sich im Nachhinein offenbar nochmals anders überlegt und uns härter bestrafen wollen.

Ihr seid auch beim Saisonfinale in Hockenheim stark gewesen.
Ja, das war auch so ein Highlight. Ich hätte am Samstag das Auto auf Pole stellen können. Aber du hast mit neuen Reifen nur einen Schuss. Bis zur zweiten Zwischenzeit lag ich vorne, dann ist mir ein Lamborghini im Weg gestanden. So bin ich am Ende halt nur auf Platz 5 gestanden.

Sie sind zuletzt in Barcelona noch in der Blancpain Series gefahren, auch wieder auf einem Audi R8 mit Haase und Simon Gachet. Und auch dort wart ihr sehr schnell.
Ja, wir wären aufs Podium gefahren. Ich glaube, wir hätten sogar um den Sieg gekämpft. Aber in meiner letzten Runde ist die Radnabe gebrochen und ich bin im Kiesbett gestrandet. Das war bitter. Aber solche Sachen passieren. Das Wochenende an sich war gut. Die Blancpain Series ist eine Meisterschaft, die mir sehr gefällt. Da waren nochmals 20 Autos mehr am Start als beim GT Masters. Da war richtig Verkehr im Qualifying.

 


MOST, : GT Master, Championship 2018, Most, Tschechien, Autodromo Most on April, 27, 2018, Most: ADAC GT Masters, Check Republic. (Photo by Juergen Tap)

Ricardo «Ricky» Feller

Ricardo Feller ist am 1. Juni 2000 geboren, 1,78 Meter gross und 59 Kilogramm leicht. Zurzeit absolviert er das Sport-KV im elterlichen Betrieb in Oberentfelden AG. Als Elfjähriger stieg er in den Kartsport ein. Dort wurde er 2015 Schweizer Meister in der KFJ-Klasse. 2016 stieg er in die ADAC Formel 4 auf und fuhr dort für Mücke Motorsport. Im Vorjahr debütierte er im ADAC GT Masters als jüngster Fahrer in der Geschichte im Team Audi Sport Racing Academy. Auf diese Saison hin wechselte er zu Mücke und bestritt dort die Saison an der Seite von Routinier Christopher Haase. 2018 nahm Ricardo auch an den 24 Stunden von Dubai und am letzten Lauf der Blancpain Series in Barcelona (Ausfall) teil. Ricardo hat zwei Brüder, Bernardo (14) und Fernando (16). Der ältere der beiden ist mit Ricardo Kart gefahren, hat aber Ende 2014 aufgehört. In seiner Freizeit fährt Ricky gerne Fahrrad und spielt Fussball. «Die meiste Zeit muss ich aber dafür aufwenden, den wegen der Rennen verpassten Schulstoff nachzuholen», sagt er, der sich gut vorstellen kann, eines Tages den Autohandel seiner Eltern zu übernehmen. «Das ist nicht in Stein gemeisselt, aber es ist immer von Vorteil, einen Plan B zu haben.»


 

Wenn Sie Ihre beiden ersten Jahre in der ADAC GT Masters vergleichen: Was denken Sie?
Das erste Jahr war sehr schwierig. Als Rookie hätte ich jemanden im Team gebraucht, der mir als Referenz hätte dienen können. Aber es war genau umgekehrt. Alle im Team orientierten sich an mir, weil ich der Schnellste war. Ich hatte keinen Anhaltspunkt. In diesem Jahr war ich wirklich in der Rolle des Lehrlings – mit Haase als Partner und den weiteren Teamkollegen wie Markus Winkelhock, Stefan Mücke oder Jamie Green. Selbst wenn ich einmal schneller war als einer meiner Kollegen, konnte ich anhand der Daten noch was lernen.

Wo haben Sie gegenüber erfahrenen Teamkollegen Defizite?
Rausfahren und direkt eine Zeit hinknallen. Dieses Auf-den-Punkt-bringen ist etwas, was ich noch verbessern kann.

Viel Gelegenheit, um genau das zu üben, hatten Sie nicht.
Nein, ich hatte in der Regel am Freitag einen neuen Reifensatz gekriegt. Und dann war Quali. Auch beim Testen war es nicht so, dass ich da mal drei neue Sätze hätte fahren können, um ein Gefühl zu bekommen.

Hat sich Ihre Herangehensweise im Vergleich zu Saison 1 verändert?
Der grösste Unterschied ist die Zielsetzung. Die ist im zweiten Jahr natürlich nicht mehr dieselbe wie im ersten. Auch bin ich ruhiger geworden, was auf die Erfahrung zurückzuführen ist. Ich nehme es, wie es kommt.

Sie sind 2018 bei Mücke gefahren. Wie schon 2016, als Sie dort die Formel 4 absolviert haben. Zufall?
Mücke wollte mich damals eigentlich nicht gehen lassen, obwohl wir nicht die ganze Saison absolviert hatten. Ich bin damals auch mit nur zwei Testtagen ins kalte Wasser gesprungen, habe aber schnell dazugelernt. Als ich dann mit 16 die Entscheidung getroffen hatte, 2017 GT Masters zu fahren, hat Mücke gesagt, das käme für mich viel zu früh. Ich sei noch zu jung. Doch ich war davon überzeugt. Genauso wie die Audi Sport Racing Academy. Schon vor dem letzten Rennen im Vorjahr kam dann die Anfrage von Mücke, ob ich mit seinem Team die 24 Stunden von Dubai fahren möchte. Und so hat sich das dann auch für 2018 ergeben.

Ist für Sie das Thema Formelsport erledigt?
Nicht unbedingt. Man weiss ja nie, was noch passiert. Aber mein Ziel ist definitiv nicht die Formel 1.

Sie fühlen sich also wohl mit einem Dach über dem Kopf?
Ja, vom ersten Moment an. Ich war damals 16, als ich zum ersten Mal in einem R8 sass. Dann habe ich an einer Sichtung in Berlin teilgenommen. Eigentlich war der Plan, im Audi TT Cup zu fahren. Einer der Instruktoren damals war Markus Winkelhock. Er hat dann sehr früh erkannt, dass das nichts für mich sei und ich mich doch besser für die GT Masters quali_ zieren sollte. Also habe ich am Nürburgring einen Test absolviert. Bei zwei Grad Aussentemperatur, Schnee und Regen. Und mir hat das sofort gefallen. Ich fühle mich in den Autos sicher. Und man wird nicht nass. Man muss den Overall und den Helm nicht mehr trocknen …

Wie sieht der Plan für 2019 aus?
Am liebsten ADAC GT Masters und Blancpain Series. Ich hoffe sehr, dass es mit Audi klappt. Ich geniesse von Anfang an die Unterstützung von Audi. Und Audi ist im Motorsport breit abgestützt.