Egli will mehr als den Rekord SLALOM-SM

Ein Zürcher dominiert im Berner Oberland. Philip Egli holte sich beim Saisonauftakt den Gesamtsieg, seinen vierten in Interlaken.

Philip Egli hat die Schweizer Slalommeisterschaft 2019 so begonnen wie im vergangenen Jahr, nämlich mit einem Sieg. Der Zürcher im Dallara F393 liess bei der 23. Ausgabe des Slaloms in Interlaken BE in beiden Läufen nichts anbrennen und verwies seinen grössten Konkurrenten, Marcel Maurer im Ta tuus- Renault, auf den zweiten Platz. «Das war ein solider Einstieg in die neue Saison», sagte Egli nach seinem vierten Gesamtsieg in Interlaken. «Beide Läufe waren fehlerlos. Aber ich glaube, vom Fahrerischen her geht noch mehr. Dass ich nun Rekordsieger in Interlaken bin, ist schön. Aber die Statistik interessiert mich nicht besonders», meinte Egli zu seiner Bestmarke. Die teilte er bis zu seinem jüngsten Erfolg im Berner Oberland mit den dreifachen Interlaken-Siegern Heinz Steiner (Oberdiessbach BE, 1998–2000), Martin Kindler (Walkringen BE, 2007–2009) und Julien Ducommun (Veyrier GE, 2010–2012). Philip Egli hat dem Rekord zum Trotz andere Ziele: «Viel wichtiger sind die einzelnen Events. Und da freue ich mich jetzt schon auf den Slalom in Frauenfeld (27./28. April – Red.). Das ist quasi mein Heimrennen.» Hinter Maurer, dem nur 85 Hundertstelsekunden auf Gesamtsieger Egli fehlten, wurde Christian Balmer auf Tatuus-Honda Dritter. Der Lokalmatador musste sich nach den Trainingsläufen noch mit Platz 4 zufrieden geben, steigerte sich dann aber und verdrängte Lukas Eugster bei dessen Premiere im Ligier-Honda um drei Zehntelsekunden vom dritten Podestplatz.

Der Geheimtipp von Meister Bürki: Lukas Eugster beim ersten Ernstkampf mit dem neuen Ligier-Honda.

Bürkis Geheimtipp
Eugster war trotz des hauchdünn verpassten Podiumplatzes sehr zufrieden mit dem Debüt im neuen Auto: «Das war wirklich sehr, sehr gut. Ich hatte nicht erwartet, dass ich mich mit dem Ligier- Honda gleich so gut zurechtfinde.» Ein spezieller Konkurrent hingegen hatte den Appenzeller auf der Rechnung. Eugster war zum Saisonstart der Geheimtipp des mehrmaligen Titelgewinners Martin Bürki. Der Berner hatte den Ligier-Piloten bei den Tests Ende März in Ambri TI genau beobachtet. Das neue Fahrzeug von Eugster ist im Vergleich zum Formel Renault aus dem Vorjahr um ganze 40 Zentimeter breiter (1.80 m statt 1.40 m) und hat deshalb zwischen den Slalom-Pylonen deutlich weniger Spielraum. «Aber das war kaum ein Problem, weil das Auto gut einlenkt», erklärte Eugster. Früher habe er auf den Tagessieger jeweils vier bis fünf Sekunden verloren, am letzten Samstag waren es nur noch 1.3 Sekunden. Ein gutes Debüt gelang auch Tom Zürcher im von Schweizer Bergmeister Marcel Steiner vorbereiteten Tatuus Formel 4, den der Berner auf diese Saison hin neu bei Jenzer Motorsport erworben hat. Platz 5 mit dem noch alten Motor liess sich sehen. «Wenn wir erstmal den neuen 1.2-Liter-Turbo von Abarth einbauen, wird da nach vorne noch mehr möglich sein», ist Steiner überzeugt.

Gewinner beim Premierenrennen des Suzuki Cups: Sandro Fehr holte den Sieg hauchdünn vor Marcel Muzzarelli.

Daranis Nervenstärke
Schnellster Fahrer mit einem Dach über dem Kopf war Patrick Drack im Porsche 997 GT3 Cup als Achter – zeitgleich mit Andreas Helm im neuerworbenen Tracking-Suzuki. Direkt dahinter klassierte sich Christian Darani in seinem Fiat X1/9. Der Tessiner musste im ersten Durchgang wegen eines defekten Getriebes einen Nuller hinnehmen, bewies aber im zweiten Heat Nervenstärke und verwies den bis dahin führenden Reto Steiner in der Klasse E1-2000 noch auf Platz 2. Manuel Santonastaso war in der Gruppe Interswiss mit seinem BMW 320 der schnellste Fahrer im Feld. Auch Schweizer Meister Bürki gewann seine Klasse souverän (E1 bis 1600 cm3). Der Berner sicherte sich am Ende den 12. Gesamtrang – direkt hinter TCR-Solist Patrick Flammer.

Sieger der Konkurrenz im Renault Classic Cup: Philipp Krebs im Clio.

Suzuki-Premierensieg an Fehr
Mit Spannung wurde auch die Premiere des Suzuki Swiss Racing Cup erwartet. Wegen des dichten Programms mussten die Piloten aber auf ihre Trainings verzichten. Nach dem ersten Durchgang lag Simeon Schneider vor Fabian Eggenberger. Schneider konnte sich aber nicht verbessern und fiel auf Rang 3 zurück. Routinier Eggenberger unterlief im zweiten Heat ein Torfehler, was am Ende Platz 5 bedeutete. Den Sieg sicherte sich Sandro Fehr, 18 Hundertstelsekunden vor Marcel Muzzarelli. Im Renault Classic Cup setzten Philipp Krebs und René Schnidrig ein erstes Zeichen. Die beiden Berner, die 2018 hinter Denis Wolf (fährt neu Renault Caparo) den zweiten und dritten Gesamtrang holten, trennten nur 0.51 Sekunden. Schnidrig komme Krebs immer näher, hiess es deshalb. Die Gesamtführung im Cup, der auf der Rundstrecke, beim Slalom und am Berg gefahren wird, bleibt bei Patrick Gerber. Der Berner gewann die zwei Auftaktrennen in Hockenheim (D), Krebs und Schnidrig waren da aber nicht am Start.

Schaffte es im Gesamtklassement noch in die Top Ten: Christian Darani mit dem Fiat X1/9.

108 Kilo Kampfgewicht im Suzuki Swift

Einmal Rennsport hautnah erleben, das war ein Wunsch des Spitzenschwingers Remo Käser aus Alchenstorf BE. Der 22-jährige Sohn von Schwingerkönig Adrian Käser durfte sich bei der Premiere des Suzuki Swiss Racing Cups in Interlaken BE hinter das Lenkrad eines Swift Sport 1.4T klemmen. Erschwerend kam beim Saisonauftakt der Schweizer Slalommeisterschaft hinzu, dass die Trainingsläufe der Suzuki wegen des gedrängten Programms gestrichen wurden. Schwinger Käser holte sich mit 15.58 Sekunden Rückstand auf Sieger Sandro Fehr (Rorschacherberg SG) den 38. und vorletzten Platz.

Automobil Revue: Wie kam es zu Ihrem Gaststart beim Suzuki Swiss Racing Cup in Interlaken?
Remo Käser: Ich bin schon seit einigen Jahren Markenbotschafter von Suzuki. Deshalb sollte ich letztes Jahr in einem Suzuki starten. Es kam mir aber ein Wettkampf dazwischen.

Darüber hinaus sind Sie auch ein Motorsport-Fan?
Ich verfolge nicht alle Rennen, die am Fernsehen gezeigt werden. Insofern bin ich wohl weniger ein Fan. Aber in der Rekrutenschule lernte ich die beiden Motorsportler Nico Müller (fährt Tourenwagen in der DTM – Red.) und Dominique Aegerter (Motorrad-WM) kennen. Aber ich probiere gerne neue Dinge aus, und das Racing hat mich schon immer sehr gereizt.

Sie als Schwinger haben weniger die Statur eines Motorsportlers, deshalb war im Fahrerlager auch den Spruch zu hören, wonach der Swift von Käser bald einmal tiefer gelegt sei, wenn die Kampfmaschine reinsitze. War es denn auch so?
(Lacht) Mir war schon klar, dass ich mit meinen 108 Kilogramm Körpergewicht und vollem Tank zu schwer und chancenlos bin. Die 15 Sekunden Rückstand auf den Suzuki-Sieger Sandro Fehr nehme ich sportlich. Mir ging es bei dieser Sache auch um den Spass. Ich wollte den Rennsport einmal hautnah erleben.

Aber die Rennfahrerkollegen haben Sie schon gut aufgenommen?
Ja, ganz bestimmt. Ich habe vor dem Rennen keinen von ihnen gekannt. Trotzdem haben sie mir geholfen, haben mir gute Tipps zur Rennfahrerei gegeben. Ich habe schon gemerkt, dass der Kitt unter diesen Jungs und Mädchen grundsätzlich sehr gut ist. So etwas zu erleben, macht mir auch Freude. Es ist fast wie in unserer Schwingerfamilie.

Dann war das nicht Ihr letzter Einsatz im Cockpit?
Ich habe mein Interesse bei Stefan Gass, dem Geschäftsführer von Suzuki Automobile Schweiz, deponiert. Aber wahrscheinlich fahre ich erst 2020 wieder. Denn meine Schwingsaison startet jetzt erst richtig. Und es wird ein herausforderndes Jahr, weil ja das eidgenössische Schwingfest in Zug ansteht